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Kultur Ungeahnter Höhepunkt der Kultursaison
Weltgeschehen Kultur Ungeahnter Höhepunkt der Kultursaison
11:23 16.01.2014
Hannover

Die Kammermusikgemeinde Hannover scheint nun doch noch im letzten Moment die Kurve zu bekommen. Nach Jahren der teilweise selbst verschuldeten Krise geht es nun in vielerlei Hinsicht bergauf mit der Kammermusik in Hannover. Nicht nur, dass mit dem neuen Vorstand seit geraumer Zeit die Programme der Kammermusikgemeinde eine ganz andere inhaltliche Qualität bekommen haben. Das immer gut gewesene Niveau der Konzerte im Beethoven-Saal hat sich vielleicht sogar noch gesteigert. Und nicht zuletzt: Neue Konzertformate wurden oder werden eingeführt. So gab es in der letzten Saison bereits zwei Sonderkonzerte in einem anderen Umfeld als dem Congress Centrum. Für diese Saison sind als Neuigkeit bereits zwei Liederlounges angekündigt. Die erste ist für den 3. Februar mit Juliane Banse in einer Betriebskantine angekündigt.

Schon in diesem dritten Abonnementskonzert dieser Saison glaubte man zu merken, dass das bis vor zwei Jahren extrem überalterte Publikum ein wenig mit jüngeren Musikfreunden aufgefrischt wird. Dazu kommt noch, dass im Falle des zu besprechenden Konzertes das reichlich erschienene Publikum persönlich mit ein paar freundlichen Sätzen durch den Vorstand begrüßt wurde und das Podium des Saales mit Blumenschmuck verschönert wurde. So stimmte auch das Gesamterlebnispaket „Konzert“. Und dazu gehört eben mehr als nur ein akustisch und atmosphärisch guter Saal. Der Zuhörer möchte heute mehr denn je ernst genommen werden. Und das geschieht hier unter anderem, insofern als man kaum mehr Programme von der Stange anbietet, sondern sich für Hannover maßgeschneiderte Programme erarbeiten lässt, die eben auch mal Ungewöhnliches wagen. An diesem Abend war dies neben zwei höchst beeindruckend gespielten Standardwerken von Beethoven und Schostakowitsch ein Schwerpunkt mit Musik aus Spanien, bei der eine Gitarre zum Streichquartett hinzukam.

Zunächst fällt auf, dass das Cuarteto Casals einen wunderbaren Ton hat. Und dass sich dieser Ton einheitlich durch alle vier Instrumente zieht, will sagen, dass der Klang der Instrumente von einer solch besonderen Homogenität ist, dass man kaum unterscheiden kann, wer gerade was spielt. Es entsteht dadurch eine Klangqualität, die man nur von den exklusivsten Ensembles kennt. Dabei klingt hier nichts glatt oder nur perfekt, sondern immer mit Leben erfüllt. Man hat das Gefühl, dass diese vier Quartettspieler ihr musikalisches Leben mehr denn je genießen und die Zuhörer daran teilhaben lassen. Dass man dazu dann noch bei den Stücken spanischer Provenienz mit Carles Trepat einen zurückhaltenden, aber brillanten Gitarristen erster Güte dazu holte und die Hörer mit auf eine Reise durch ungewohnte Klanglandschaften schickte, das machte dieses Konzert zu einem Hörabenteuer sondergleichen. Das größte Quartetterlebnis seit vielen Jahren.

Von Reinald Hanke