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Kultur Vivaldis Kriegsoper in modernem Gewand
Weltgeschehen Kultur Vivaldis Kriegsoper in modernem Gewand
17:38 18.05.2014
Braunschweig

Gerade als der Krieg zwischen Farnace, dem Herrscher von Pontos am Schwarzen Meer, und den Truppen des römischen Feldherrn Pompeo mit Maschinengewehrsalven, Granatenexplosionen und dem flatternden Geräusch landender Hubschrauber seinem grausamen Höhepunkt zustrebt, geschieht Unerwartetes: Bei einem Gläschen Sekt einigen sich die kriegerischen Parteien darauf, ihren Streit friedlich beizulegen. So sah es bei der Uraufführung von Antonio Vivaldis Barockoper „Farnace“ im Jahr 1727 aus. Eine Kriegsoper ohne „Happy End“ war damals undenkbar. Da musste der „Deus ex Machina“ schon mal ran und für die Einhaltung der Konventionen sorgen.

Für Regisseur Roland Schwab ist damit allerdings nicht Schluss. Geschickt gewendet und in die Gegenwart versetzt, geht für ihn der Krieg mit all seinen Grausamkeiten weiter. In deutscher Erstaufführung hatte Vivaldis „Dramma per Musica“ seine gelungene Premiere am Staatstheater Braunschweig.

Fast jeder kennt Antonio Vivaldis Zyklus „Die Vier Jahreszeiten“. Kaum bekannt dagegen sind die ihm zugeschriebenen 49 Opern, mit denen er äußerst erfolgreich war. Allein sieben Fassungen gibt es für „Farnace“.

Gewalt und Barbarei sind in dieser Oper an der Tagesordnung: Das Kind des besiegten Farnace soll getötet werden, damit es nicht in die Hand der Feinde fällt. Es wird von Tamiri, seiner Mutter, im Keller versteckt. Der Krieg wird in die Privatsphäre hineingetragen. Piero Vinciguerra hat dazu ein drehbares Bühnenbild geschaffen – mit zerstörten Häuserruinen und weggebrochenen Fassaden.

In der für Barockmusik üblichen Streicherbesetzung und in der aus Cembalo, Cello und Theorbe bestehenden Continuogruppe glänzt das Staatsorchester Braunschweig unter Leitung von Michael Schneider mit klanglicher Energie und peitschenden, ostinaten Rhythmusstrukturen genauso wie mit verhaltener Tongebung in der Begleitung der Arien.

Die Partie des Farnace ist mit Orhan Yildiz exquisit besetzt. Seine „Trauerarie“ im zweiten Akt gehörte mit seinem weichen und gefühlvoll eingesetzten Bariton zu den Glanzlichtern. Als Tamiri brillierte Anne Schuldt und alle virtuosen Kapriolen meisterte mit Eleganz Ekaterina Kudryavtseva als Berenice. Mit klarem Countertenor vermittelte Yosemeh Adjei als Pompeo kühle Entschlossenheit. Lang anhaltender Applaus gab es am Ende für alle Beteiligten im nicht ganz ausverkauften Haus. Hartmut Jakubowsky

Von Hartmut Jakubowsky