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Kultur Vom Schwinden der jugendlichen Reize: Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum
Weltgeschehen Kultur Vom Schwinden der jugendlichen Reize: Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum
17:08 15.10.2017
Manfred Deix (1949 bis 2016): „Männliche Prostitution nimmt zu“ (ohne Datierung). Quelle: Wilhelm-Busch-Museum Hannover
Hannover

Etwa in Sachen Eitelkeit: Schon die klassischen englischen Karikaturisten nahmen gern aufs Korn, wie da Menschen offenbar das Schwinden der jugendlichen Reize partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Besonders böse stellte in neuerer Zeit Tomi Ungerer das Thema dar: Das bizarre Wesen, das da auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1963 unter dem Titel „Die Schönste im ganzen Land ...“ im Spiegel ein wunderschönes Antlitz zu erblicken wähnt, würde wohl am besten in einen Film der „Alien“-Reihe passen.

Wer übrigens glaubt, die Häme wende sich grundsätzlich nur gegen die Frauen, irrt: Honoré Daumiers 1839 Lithographien-Serie „Tagesablauf eines Junggesellen“ macht sich über einen Monsieur Coquelet lustig, dessen langweiliges Leben nach immer denselben Ritualen verläuft und sich nicht zuletzt in hohem Maße um die geliebten Haustiere dreht.

Zuweilen wird die Ausstellung auch richtig fies. Dass etwa gerade die österreichischen Zeichner gerne jegliche Geschmacksgrenzen sprengen, ist bekannt: So ließ Manfred Deix 2001 die komplette Familie am Krankenbett des Großvaters antreten – mit wohlgesetzten Reimen versuchen sie, den alten Mann von den Vorzügen der Sterbehilfe zu überzeugen.

Eine weiche Seite hat die Schau indes ebenfalls. Sie manifestiert sich beispielsweise in der um 1622 entstandenen „Bettler“-Folge von Jacques Callot. Und natürlich fehlt auch der Namenspatron des Museums nicht: Weshalb Wilhelm Busch selbst seine Fähigkeiten als Maler geringschätzte, erscheint angesichts dieser atmosphärischen Kleinformate einmal mehr unverständlich.

Von Jörg Worat