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Kultur Von der Idee der unendlichen Weite
Weltgeschehen Kultur Von der Idee der unendlichen Weite
16:39 03.02.2014
Die Ausstellung „Mondrian.Farbe“ im Bucerius Kunst Forum in - Hamburg untersucht das zentrale Moment Piet Mondrians Werke. Typisches Beispiel dafür ist Komposition mit großer Fläche Gelb, Schwarz, Grau und Blau von 1921 (kleines Bild). Quelle: Ulrich Perrey
Hamburg

Konkret oder abstrakt? Die Wogen werden sich wohl nie glätten. Jeder hat eben so seinen Standpunkt. Heute jedoch gilt es einen Pionier der abstrakten Malerei in Erinnerung zu bringen, was eigentlich heißen würde, „Eulen nach Athen zu tragen“. Und das gleichzeitig Erstaunliche: Diese radikalste Form des „Weglassens“ stammt – wer hätte das gedacht – von einem holländischen Maler, von Piet Mondrian, dessen revolutionärer „Kopfsprung“ schon längst einen festen Platz in der Kunstgeschichte gefunden hat. Für seine Fans in aller Welt ist es daher ein Glücksfall, dass seine über 50 Werke bis zum 11. Mai im Bucerius Kunst Forum, Hamburg, zu sehen ist.

Piet Mondrian, (eigentlich Pieter Cornelius Mondriaan), 1872 in Amersfoort geboren, (er war neun Jahre älter als Picasso), widmete sich nach seinem Studium in Amsterdam, zunächst intensiv der Landschaftsmalerei, die er – als Realist – zunächst in der Tradition Rembrandts pastos auf die Leinwand setzte, so dass der Duktus für die Oberflächentextur relevant blieb. Und er entdeckte Farben, die ihn an die mediterrane Palette eines Henri Matisse, dem Licht der Küste, erinnerten, das aber auch gleichzeitig der Maler Jan Toorop im pointilistischen Stil einfing. Mondrian ging einen Schritt weiter, indem er die Farben seiner Küstenbilder in kleine Flecken umsetzte.

Bevor Mondrian dann 1912 in Paris, als Expressionist, in der Nachfolge van Goghs und den Fauves, seinen Stil durch den Einfluss des analytischen Kubismus (Picasso), völlig veränderte, entwickelte er innerhalb eines Jahrzehnts seinen ungegenständlichen Stil, den er Neo-Plastizismus nannte, bekannt auch unter dem Begriff „De Stijl“.

Der Maler überließ es zunehmend der Farbe und der Linie für sich zu sprechen, um eine „intensivere, weniger der Mimesis verhaftete“, Schönheit hervorzubringen und bekannte, dass für ihn die gerade Linie eine größere Spannung bedeutet als die gekrümmte und sie deshalb geeigneter sei, die „Idee der unendlichen Weite“ wiederzugeben. Denn es kam Mondrian einzig und allein auf die „richtigen“ Verhältnisse zwischen Linien und farbigen Rechtecken an, die er ebenso radikal transformierte wie Braque seine Collagen („Le Courrier“); jedoch mit dem Unterschied: Braque arbeitete mit dem Zufall, Mondrian hatte nichts als seine selbst aufgestellten Regeln.

Des Holländers Sinn für asymmetrische Ausgewogenheit war von einer so feinen Sensibilität, dass es nicht überraschte, das seine Ideen auch Architekten nachhaltig beeinflussten, etwa Mies van der Rohe oder Hausformen in Utrecht von Gerrit Rietveld.

In Mondrians jüngsten Arbeiten beschränken die Bilder nur noch auf Vertikale und Horizontale, die drei Primärfarben sowie Schwarz und Weiß; alles Gegenständliche ist eliminiert. Gelegentlich gab er ihnen Titel wie „Trafalgar Synare“ oder „Broadway Boogie-Woogie“, die einen gewissen Bezug zur äußeren Wirklichkeit andeuten. Dabei ging es Mondrian jedoch nicht um die lyrische Empfindung eines Kandinsky, sondern um „reine Wirklichkeit.“

Vielleicht verstehen wir die „Philosophie“ des Künstlers besser, wenn wir uns seine Bilder als „abstrakte Collagen“ vorstellen, in denen die Realitätsfragmente durch schwarze Linien und farbige Rechtecke ersetzt sind, um alle ablenkenden Elemente zu vermeiden. Bis 11. Mai im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt.

Von Klaus Zimmer