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Kultur Von tragbarer Kleidung bis hin zu kunstvollen Objekten
Weltgeschehen Kultur Von tragbarer Kleidung bis hin zu kunstvollen Objekten
13:39 29.01.2014
Alles zum Thema Stricken zeigt die Ausstellung „Bestrickend: - The Modern Art of Knitting“ – hier beispielsweise ein Ensemble von Dörte Kaufmann. Quelle: Handwerksform Hannover
Hannover

Wer glaubt, Stricken sei eine weibliche Domäne, sieht sich hier bestätigt: Beteiligt sind 23 Damen und ein einsamer Herr namens Tanji Motohiro, übrigens mit zwei sehr beeindruckenden schwarzen Kleidern in einer raffinierten Stilmischung zwischen Strenge und Eleganz. Der Mann stammt aus Japan, überhaupt ist die geografische Bandbreite groß; sie reicht von Katar über Dänemark bis Celle. Aus der Residenzstadt ist, nicht zum ersten Mal in der Handwerksform, Kristiina Karinen vertreten, und zwar mit den typisch skulptural anmutenden Kleidungsstücken aus feinstem Garn. Gleich neun Exponate stammen von ihr, und wie immer betonen zurückhaltende Farben die Form – allerdings hat Karinen zwischen die schwarzen, weißen und grauen Stücke eine knallrote Weste geschmuggelt.

Die Bremerin Cordula Bünger wollte bei ihrem Ensemble keine halben Sachen hinterlassen und hat daher neben Tisch, Klappstuhl und Vase auch Teller und Tortenstück mit Strickhüllen versehen. Mansha Friedrich aus Hannover war ebenfalls nicht zu bremsen: Weil sie sich mit dem Aufbau der Installation „Drei warme Schwestern“ (wer dabei an das im Volksmund „Drei warme Brüder“ genannte Heizkraftwerk Linden denkt, ist auf der richtigen Fährte) offenbar nicht ausgelastet fühlte, umstrickte sie Teile der Außensäulen vor der Ausstellungshalle.

Das am meisten vertretene Material in dieser Schau ist Wolle. Doch Stricken kann man auch mit anderen Stoffen. Zum Beispiel, wie die Schmuckstücke der Mainzerin Tanja Roolfs beweisen, mit Silber, und sollte das schon sonderbar klingen, ist es doch noch harmlos im Vergleich zum Pullover der US-Amerikanerin Jacqueline Burris: Der besteht nämlich aus 650 iPhone-Kopfhörern.

Schließlich bevorzugt auch Claudia Diehl, die ihre Werkstatt in Michelstadt hat, ein originelles Material und fertigt Kleidungsstücke sowie Schmuck aus zusammengedrehten Zeitungspapier-Streifen. Mal sehen, wer sich mit diesen Flip-Flops auf die Straße traut …

Die Ausstellung läuft bis zum 22. Februar, geöffnet ist sie dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, samstags bis 14 Uhr.

Von Jörg Worat