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Kultur Gobelin bleibt im Bomann-Museum
Weltgeschehen Kultur Gobelin bleibt im Bomann-Museum
19:53 19.12.2018
Von Jürgen Poestges
Jacques Goudstikkers, einem holländischen jüdischen Kunsthändler, gehörte die Tapisserie. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Über die Restitutionsansprüche seien freundschaftliche und einvernehmliche Einigungen erzielt worden, teilten das Landesmuseum Oldenburg und das Bomann-Museum Celle mit. Bei den Werken handelt sich um einen Renaissance-Überbauschrank in Oldenburg sowie um eine Tapisserie, also einen Wandteppich, in Celle. Beide Häuser kauften die Werke daraufhin der Erbin ab, damit sie weiterhin ausgestellt bleiben.

Marei von Saher ist die alleinige Erbin Jacques Goudstikkers, einem renommierten holländischen jüdischen Kunsthändler, dem die Tapisserie gehörte. Kurz vor der Invasion der Nationalsozialisten im Mai 1940 konnte Jacques Goudstikker fliehen, er musste diese Tapisserie zurücklassen. Anschließend wurde die Tapisserie an Hermann Göring zwangsverkauft und über das Auktionshaus Hans W. Lange im Dezember 1940 von der Stadt erworben.

Das Bomann-Museum, in dessen Ausstellung im Residenzmuseum im Celler Schloss die Tapisserie ausgestellt ist, startete mit Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste im März 2016 ein Herkunftsforschungsprojekt mit dem Ziel, die Gegenstände, die zwischen 1933 und 1945 in den Museumsbestand übergingen, zu identifizieren und auf deren Herkunft zu untersuchen. Dabei stellte das Bomann-Museum fest, dass die Tapisserie in Jacques Goudstikkers Arbeitszimmer in seinem Schloss Nijenrode hing.

Angesichts dieser Erkenntnis sprach das Bomann-Museum Marei von Saher über ihre Rechtsanwälte von Herrick Feinstein LLP in New York an. Unter Vermittlung ihrer Rechtsanwälte konnten die Parteien sich über die Restitution der Tapisserie an Marei von Saher verständigen.

„Es ist ermutigend, zu sehen, dass die Stadt Celle und das Bomann-Museum das Richtige gegenüber den Opfern der Nazis und ihren Familien tun“, sagte Marei von Saher. „Ich bin dem Bomann-Museum sehr dankbar, dass es sich zu dem Provenienzforschungsprojekt entschlossen hat und nun die Tapisserie an die Familie von Jacques Goudstikker zurückgeben möchte.“

Zugleich hoffe sie, dass die Restitution dieser Tapisserie auch andere Institutionen und Sammler veranlasst, in gleicher Weise so verantwortungsvoll zu handeln, wenn sie mit durch die Nazis enteigneten Kunstwerken in ihrer Sammlung konfrontiert werden. „Da das Bomann-Museum keine zweite Tapisserie in dieser Qualität besitzt, fragte es an, ob ich bereit sei, die Tapisserie dem Museum zu verkaufen. Infolgedessen ist gewährleistet, dass sie auch künftig im Bomann-Museum ausgestellt wird”.

„Wir haben einen unabhängigen Provenienzforscher engagiert, der den gesamten Museumsbestand aus der NS-Zeit überprüft“, erklärte Jochen Meiners, Museumsdirektor der Celler Museen. „Wir wollen wissen, ob wir Kunstwerke identifizieren können, die Personen durch Enteignung, Zwangsverkäufe oder auf andere Weise verloren haben, weil sie aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden. Wir freuen uns, dass Frau von Saher uns diese wunderbare Tapisserie überlässt.“

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