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Kultur Wenige Höhepunkte in zu kalkuliertem Programm
Weltgeschehen Kultur Wenige Höhepunkte in zu kalkuliertem Programm
13:09 04.12.2013
Albrecht Mayer (Foto) gilt als einer - der besten Oboisten der Welt. - Jetzt war er neben Klavierpartnerin Evgenia Rubinova live in Hannover - zu erleben. Quelle: Ralph Mecke
Hannover

„Einer der besten, wenn nicht der beste Oboist der Welt“, soll Stardirigent Simon Rattle den Musiker gepriesen haben. Das mag ein wenig gestrunzt klingen, doch müsste erst einmal das Gegenteil bewiesen werden: Mayers wunderbar leichter Ton, der sowohl etwas Schwebendes bekommen als auch pointierte Schärfe annehmen kann, ist sicherlich zu einem Markenzeichen geworden. Und diesmal war der Oboist keineswegs schlechter in Form als gewohnt.

Allerdings offenbar nicht gewillt, auch nur einen Ton mehr zu spielen als nötig. Nach dem fraglos angenehmen, aber kurzen Auftakt mit „A Chloris“ von Reynaldo Hahn verließ Mayer schon wieder die Bühne, um dieselbe bis auf weiteres seiner Klavierpartnerin Evgenia Rubinova zu überlassen. Dass die dann Debussys „Estampes“ mit verhalltem Klangnebel durchwirkte, der bei diesem Komponisten gerade kontraindiziert ist, machte die Sache nicht besser. Für die „Fantaisie“ von Vincent d’Indy, auch dies kein sonderlich ausführliches Stück, kehrte der Star des Abends zurück, und nach rund einer halben Stunde war schon Pause.

Hatte das Motto des Programms, nämlich „Bonjour Paris“, bis dahin noch eine gewisse Berechtigung, erwies es sich anschließend eher als wohlfeiler Aufhänger, weil man damit gemeinhin weder Robert Schumann noch, trotz dessen Pariser Episode, Sergei Prokofjew in Verbindung bringt. Schumanns Romanzen wurden gleichwohl zum ersten echten Höhepunkt des Konzerts, weil Mayer seine oben genannten Stärken nun richtig ausspielen konnte. Pianistin Rubinova konnte einem fast leidtun, wurde sie danach doch wieder alleingelassen und wirkte bei drei Prokofjew-Miniaturen einigermaßen unkonzentriert, schwamm sich erst beim abschließenden, technisch höchst anspruchsvollen Scherzo ein wenig frei. Eine bessere Begleiterin konnte sich Mayer allerdings nicht wünschen: Wie die beiden bei der folgenden Sonate von Francis Poulenc punktgenau harmonierten, war aller Ehren wert – überhaupt wurde dieses facettenreiche Stück zum Glanzlicht des Abends.

Die beiden Zugaben, Bach und Schumann, waren offenkundig von vornherein als integraler Bestandteil des Programms vorgesehen gewesen. Kalkuliert eben, ebenso wie Mayers locker-flockige Moderation, die man teilweise bei anderen Konzerten des Musikers wortwörtlich schon genau so gehört hat.

Von Jörg Worat