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Kultur Wenn Feinde im Wald zu Freunden werden
Weltgeschehen Kultur Wenn Feinde im Wald zu Freunden werden
10:49 13.09.2016
Vera Burmester nebenihrem Exponat „Mut“, einer Radierung mit Collage, die in diesem Jahr entstanden ist. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Lehrte

Die in Uelzen geborene, in Hannover lebende und seit 2011 an der dortigen Fachhochschule im Fachbereich Design und Medien tätige Lehrbeauftragte arbeitet mit spielerischer Fantasie und Entdeckungsfreude, mit Formenvielfalt und ausgefeilter Technik, von der Jugendstilanlehnung bis zur Karikatur. Ob Tier- oder Pflanzenmotive, ob Baumhaus oder Futterhäuschen – Burmester beherrscht eine Vielfalt von Stilarten. Analytische Beobachtungsgabe paart sich mit spielerischer Neugier auf der Basis von Humor und Poesie. Dabei zeichnen sich ihre Arbeiten durch viel Liebe zum Detail aus. Sie haben Humor und Witz, mitunter ein wissendes Augenzwinkern, aber auch Innigkeit und große Zartheit.

Da verwandeln sich alltägliche Begebenheiten in absurde Situationen, Ehrwürdiges kippt ins Fragwürdige, aus banalen Dingen erblüht Poetisches. Etwa bei dem Scherenschnitt „Fuchs und Hase“, ein Bild, das eher wie ein abendlicher Plausch anmutet als eine Szene aus „Jäger und Gejagte“. Die spielerische, aber reduzierte Darstellungsweise ist nur auf den ersten Blick harmlos. Doch bei näherer Betrachtung wird die Doppelbödigkeit des Bildinhalts deutlich: Burmester bringe hier sinnbildlich ein menschliches Verhalten zum Ausdruck, deutet Galeristin Julienne Franke die Darstellung: „Die Einsamkeit der Umgebung lässt selbst Feinde zu Freunden werden.“

Voller Poesie sind auch Burmesters Radierungen, jede für sich ein Unikat, da die Grundlage (Radierung) zwar reproduzierbar ist, die weitere Bearbeitung mit Collageelementen jedoch nicht. Die Künstlerin hat auch hier eigene malerische und ästhetische Prinzipien entwickelt. Sie lässt die Gattungen Druck, Collage und Gemälde auf liebevolle Weise ineinander fließen, wie bei dem Exponat „Mut“, einem stattlichen Hirsch mit einem farbenfrohen floralen Geweih. Man steht davor und ist von Burmesters Botschaft fasziniert. „Während die mediale Bilderflut an einem vorbeirauscht, bleiben ihre Arbeiten zäh im Gedächtnis haften, wie Vögel, die sich einnisten und Neues ausbrüten“, stellt Julienne Franke trefflich fest.

Von Rolf-Dieter Diehl