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Kultur Werke aus Kunststoff, Sicherheitsnadeln und Gummischnur
Weltgeschehen Kultur Werke aus Kunststoff, Sicherheitsnadeln und Gummischnur
16:36 27.09.2013
Hannover

Der „Gedok“, 1926 als „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet, gehören ausschließlich Frauen an. Der Wettbewerb „FormART“ wird seit 2005 alle zwei Jahre veranstaltet, dabei gibt es drei Preise in Höhe von je 2000 Euro zu gewinnen.

Einen davon hat in diesem Jahr Renate Hahn aus Bad Laasphe eingeheimst. Sie behandelt Porzellan, als wäre es Papier, versieht es mit flüchtig wirkenden Darstellungen, wie sie als Nebenbei-Kritzeleien beim Telefonieren entstehen könnten, und dreht das Material gern schon mal zu Röllchen zusammen – beeindruckend. Einen ungewöhnlichen Ansatz hat auch Susanne Elstner aus Gräfelfing: Das Grundmaterial ihrer Broschen ist Holzkohle, stabilisiert und mal in Silber eingefasst, mal mit textilem Kreuzstich versehen. Die dritte Auszeichnung ging schließlich an die Weigendorferin Daniela Bauer für ihre handgenähten Hüte, die schon sehr stark skulpturalen Charakter haben.

Darüber hinaus sind weitere 28 Damen in der Ausstellung vertreten. Ein Hingucker ist die raffinierte Bodenarbeit „Afroditi“ von Laura Daphne Bernhardt: Die vermeintlich tonnenschwere zusammengerollte Riesenkette entpuppt sich als schwebend leicht, besteht sie doch keineswegs aus Metall, sondern aus Schaumstoff. Auch die Kleider von Noémie Reichert ziehen schnell den Blick auf sich; um sie zu tragen, braucht frau allerdings sowohl Geld als auch Mut: 5600 Euro sind wohl kaum aus der Portokasse zu bezahlen, und da die guten Stücke aus Papier bestehen, eignen sie sich nur bedingt für Ausflüge bei Regen. Dass zu dem Modell „Dalia“ außerdem ein mit Schmetterlingen geschmückter Draht gehört, der offenbar um den Kopf gewickelt werden muss, macht die Sache nicht einfacher.

Aber auch das Kleine kann fein sein. Die Steinzeug-Schälchen von Antje Dienstbir samt ihren an beiden Enden nutzbaren Löffeln haben etwa genau das rechte Maß an Ruppigkeit, um reizvoll, jedoch nicht niedlich zu wirken. Angelika Link setzt ihren Schmuck aus eigentlich unedlen Materialien wie Kunststoff, Sicherheitsnadeln und Gummischnur zusammen. Interessant auch, wie Cornelia Patz-Nahm Leder, Filz und Grafikpapier zu filigranen Schmuckkästen verarbeitet.

Leseratten werden bei der gebürtigen Italienerin Gisella Cordara fündig, allerdings steht die Lyrik auf der Innenseite der aus Semiporzellan gefertigten Gefäße. Die Exponate der Kollegin Martina Sigmund-Servetti haben bereits Kauflust geweckt: Ein roter Punkt zeugt davon, dass sich ein Liebhaber eine der in der Tat faszinierenden Keramiken mit der wie gehäutet wirkenden Oberfläche sichern wollte, bevor es zu spät ist.

Die Ausstellung in der Berliner Allee 17 läuft bis zum 19. Oktober und ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, sonnabends bis 14 Uhr geöffnet.

Von Jörg Worat