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Kultur Wiener Philharmoniker mit Licht und Schatten in Hamburg
Weltgeschehen Kultur Wiener Philharmoniker mit Licht und Schatten in Hamburg
16:42 24.02.2015
Hamburg

Wenn eines der weltbesten Orchester, die Wiener Philharmoniker, in die sich als Musikmetropole verstehende Hansestadt Hamburg kommt, so sollte man denken, dass alle Plätze schon lange vorher ausgebucht sind. So war es aber dieses Mal nicht in der Hamburger Laeiszhalle. Selbst an der Abendkasse gab es noch reichlich Karten.

Und das, obwohl zwei Sinfonien des einzigen erstrangigen Komponisten aus Hamburg auf dem Programm standen, nämlich die erste und vierte Sinfonie von Johannes Brahms. Da staunte man als Besucher nicht schlecht. Aber an diesem Abend gab es noch mehr zu staunen. Denn die Wiener spielten zwar großartig, aber berührt hat dieser Abend unter dem Strich nur phasenweise.

Daniele Gatti, der in den letzten Jahren zunehmend bei den angesehensten Orchestern gastierende Italiener, ließ auf Schönklang spielen, konzentrierte sich ganz auf die fast einzigartigen Wiener Streicher. Aber in die Tiefe der Stücke drang er nur vereinzelt ein.

Und: Die Klangbalance war oft sehr problematisch, was sich am besten am Violinsolo in der ersten Sinfonie zeigte. Das war wunderbar gespielt. Es muss sich eigentlich sozusagen aus dem Gesamtklang heraus entwickeln. Hier lag es aber einfach oben drüber. Das Blech, das in diesem Sinfonien so extrem vielfältig eingesetzt wird, klang hier immer gleich und, welch fast einzigartige Seltenheit, oft zu leise.

Nun ist die Fähigkeit zum Leisespielen bei Blechbläsern ja eigentlich schon ein Qualitätsmerkmal. Aber wenn der Blechklang dann doch oft so dünn und schlank klingt, dass man gar nicht genau wahrnehmen kann, was denn da überhaupt passiert mit diesen Instrumenten, dann ist das eben doch zu wenig. Und vor allem: Brahms verlangt dem Blech in diesem Stück eben sehr wohl auch etwas Hymnisches, Triumphales, Massives ab. Wenn das dann aber gar nicht zu erleben ist, dann verlaufen die vielen Steigerungen schlichtweg im Nichts.

Und genau das passierte an diesem Abend immer wieder. In der vierten Sinfonie zwar weniger als in der ersten, dafür dann aber im letzten Satz umso fataler.

Natürlich hatten diese Brahms-Wiedergabe aber auch enorme Qualitäten. Unglaublich war es, wie Gatti das erste Thema im ersten Satz der vierten Sinfonie zog, wie er die absteigende Figur mit Energie auflud. Das war ganz große Kunst – die aber dann halt doch verpuffte, weil bedingt durch die mangelnde Klangbalance der große Spannungsbogen des Stückes erst gar nicht entstehen konnte.

Keine Frage: Dies alles sind natürlich Einwände auf allerhöchstem Niveau. Und sie wären dann auch völlig bedeutungslos geworden, wenn dieses Brahms-Spiel insgesamt dann doch unter die Haut gegangen wäre. Das war aber nicht der Fall. Sehr schade.

Von Reinald Hanke