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Kultur Witziger Monolog in spärlicher Atmosphäre
Weltgeschehen Kultur Witziger Monolog in spärlicher Atmosphäre
09:45 18.02.2014
Einen amüsanten Monolog bietet Henning Hartmann - in „Die römische Octavia“. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Dies nämlich ist die Grundkonstellation in „Die Römische Octavia“, dem neuen Stück von Soeren Voima – hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der vielseitige Theatermann Christian Tschirner, der einst auch in Hannover tätig war.

Ob es ihm jemals so gegangen ist wie der bedauernswerten Kreatur da vorne? Die soll dem Publikum die Theaterfassung des 7000-Seiten-Romans „Die Römische Octavia“ von Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel näherbringen und hasst diese Aufgabe aus tiefstem Herzen. Zum einen wegen einer ausgeprägten Bühnenangst, zum anderen, weil sich der Dramaturg zu etwas verpflichtet sieht, das eigentlich Aufgabe des Theaterpädagogen sei. Der wisse alles, könne auch alles erklären und entpuppe sich somit als natürlicher Feind des Dramaturgen.

Wie sich herausstellt, ist er nicht der einzige. Da gibt es etwa den Intendanten mit seiner schwachsinnigen Saisonplanung. Und vor allem den Zuschauer, der angesichts der Auswüchse im heutigen Regietheater auf Einführungen angewiesen zu sein glaube, ja, der manchmal die anschließende Vorstellung gar nicht mehr besuchen würde. Dann wird der idiotische Gastregisseur niedergemacht, der die schöne „Octavia“ in Grund und Boden zu inszenieren droht.

Ein Pianist erscheint und glaubt, sich jetzt und hier einspielen zu müssen. Abgang des Dramaturgen und die Vorstellung der „Octavia“ beginnt. Sie dauert nur wenige Minuten und besteht daraus, dass sich zu beliebigen und teilweise schmerzhaft grellen Licht- und Toneffekten irgendwelche Gestänge sinnfrei durch die Gegend schieben. Kein einziger Schauspieler tritt auf. Dafür erscheint nach Beendigung der Qual wieder der Dramaturg und bittet zum Publikumsgespräch. Er selbst hat, so stellt sich heraus, nach vorzeitiger Abreise des Gastregisseurs die Inszenierung gestaltet.

So weit, so lustig, wenn auch der erste Teil des Monologs der amüsantere ist. Henning Hartmann spielt den Dramaturgen wunderbar, blickt zunächst verschüchtert in die Runde, um nachher völlig ausgeklinkt schon mal kreischend in die Zuschauerränge zu klettern. Auch Nick Hartnagels Regie wirkt schlüssig, überzieht die Running Gags wie den Einsatz des Inhalators nicht übermäßig.

Als Rundumschlag durch das deutsche Theaterwesen taugt der Text gut, problematisch könnten bei Inszenierungen in anderen Städten die hannoverspezifischen Passagen werden. Für Besucher vor Ort allemal sehr witzig – Achtung: begrenztes Kartenkontingent, weil aus atmosphärischen Gründen die Plätze nur spärlich besetzt sein sollen!

Von Jörg Worat