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Kultur Würdiger Abschluss der Musiktage
Weltgeschehen Kultur Würdiger Abschluss der Musiktage
20:37 06.10.2015
Hannover

58 Veranstaltungen mit 70 Ensembles oder Solisten, Konzerte auf dem Rittergut oder in der Tropfsteinhöhle, 90 Prozent Platzauslastung: Die 29. „Niedersächsischen Musiktage“ hatten viel zu bieten und wurden dem diesjährigen Motto „Abenteuer“ gewiss gerecht. Auch das Abschlusskonzert im Großen Sendesaal des NDR war nicht von schlechten Eltern.

Das „SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg“ hatte ein höchst kontrastreiches Programm im Gepäck. Im Mittelpunkt stand dabei Zeitgenössisches: Ein Textfragment von Leonardo da Vinci hat den renommierten Komponisten Helmut Lachenmann zum Stück „… zwei Gefühle …“ inspiriert, wobei die besagten Emotionen auch zum Obertitel des Abends wurden: „Furcht und Verlangen“ gleichermaßen bewegten nämlich Leonardo bei der Erforschung eines Vulkans.

Lachenmann persönlich übernahm die Rolle des Sprechers, sehr abgeklärt und klanglich pointiert, doch konnte man den Text nur bruchstückhaft verstehen. Dass der Komponist die Instrumente gern anders als gewohnt einsetzt, ist bekannt: Der Pianist etwa musste öfter mal in die Saiten greifen oder damit leben, dass ein Kollege den Deckel des Flügels in rascher Folge auf- und zuklappte. Punktuell kamen bei alledem hochinteressante Verdichtungen zustande, aber streckenweise driftete der Vortrag in den Bereich des Beliebigen ab. Bemerkenswert allerdings, dass man Lachenmann seine knapp 80 Jahre nicht anmerkt: Seine Bühnenpräsenz war beachtlich.

Gerahmt wurde diese Komposition, das kann man durchaus abenteuerlich nennen, mit zwei Werken von Beethoven. Zum Auftakt begeisterte die 8. Sinfonie nur teilweise; gar zu unentschieden führte Dirigent Lothar Zagrosek, Vater der Musiktage-Intendantin Katrin Zagrosek, das Orchester durch die ersten drei Sätze. Dass es auch anders geht, bewies mit überraschenden Wendungen das Finale, in dem Eigensinn und Modernität Beethovens sehr deutlich wurden.

Als würdiger Abschluss des Abends wie des Festivals stellte sich die Fantasie op. 80 in c-Moll heraus. Da stimmte so ziemlich alles: Wieder einmal zeigten mit dem Oratorienchor und dem Johannes-Brahms-Chor hannoversche Sängerinnen und Sänger, wie vortrefflich die hiesige Vokalistenszene bestückt ist, und Klaviersolist Alexander Lonquich ließ nur anfangs einen Hang zu geschmäcklerischen Ritardandi befürchten, um dann desto griffiger zu intonieren. Auch das Orchester war voll bei der Sache.

Auf ein Wiedersehen und -hören im nächsten Jahr: Das Motto der Ausgabe zum 30. Jubiläum der Musiktage wird „Leidenschaft“ lauten.

Von Jörg Worat