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Kultur bremer Musikfest mit hochkarätigen Namen
Weltgeschehen Kultur bremer Musikfest mit hochkarätigen Namen
09:35 15.08.2017
Bremen

Während sich das Schleswig-Holstein-Musikfestival in der Wiederholung des Immergleichen mit unterschiedlichen Komponisten- oder Länderschwerpunkten gefällt, ist das vom einstigen Hitzacker-Chef Markus Fein geleitete Festival Mecklenburg-Vorpommern inzwischen schon weit interessanter geworden durch die vielen stimmungsvollen ländlichen Spielorte und die klug zusammengestellten Veranstaltungsreihen, die sich teilweise zu reizvollen Zyklen vereinen. Wesentlich kleiner hingegen ist das Bremer Musikfest, das traditionell zwar nur mit einem Bruchteil des Geldes wie die beiden anderen Festivals auskommen muss, aber schon seit vielen Jahren einem klaren inhaltlichen Konzept folgt: Historisch informierte Aufführungspraxis bis in Großbesetzungen hinein, ein integriertes Orgelfestival an den unweit gelegenen Schnitger-Orgeln und eine kleines, aber sehr feines Alternativprogramm für die Musikfreunde, denen das Klassische eher fremd ist. Außerdem gibt es dazu noch ein paar einzelne Konzerte mit Spitzenmusikern, die nichts mit dem Festivalschwerpunkt zu tun haben.

Traditionell beginnt das Bremer Musikfest mit einer „Nachtmusik“ in der an neun Spielstätten zu drei Uhrzeiten verschiedenste Ensembles mehrfach auftreten und sich der Zuhörer sein Abendprogramm selbst zusammenstellen kann. Am Samstag dem 19. August ist es soweit. Höhepunkte des diesjährigen Festivals dürften die Konzerte mit dem vielleicht persönlichkeitsstärksten Dirigenten der jungen Generation sein, mit Teodor Currentzis. Dessen Einstudierungen von Mozarts „Requiem“ im Zusammenhang mit Ausschnitten aus Werken von Tallis, Purcell, Schnittke und Ligeti dürfte genauso interessant werden, wie die der bei den Salzburger Festspielen euphorisch gefeierten späten Mozart-Oper „Titus“ (23. und 25. August). In der Titelrolle ist der Tenor Maximilian Schmitt zu hören, der gerade erst im Celler Kammermusikring zu Gast war. Außerdem wird es als Übernahme von Aix en Provence Mozarts „Don Giovanni“ geben. Diese Produktion dirigiert Jeremie Rhorer am 1. September. Gleichfalls von ganz besonderem Interesse dürfte das Gastkonzert des Festivals im relativ nahe gelegenen Verden sein. Im dortigen Dom wird gleichfalls Rhorer zwei oratorische Frühwerke von Beethoven und Berlioz dirigieren (30. August).

Von weiterem speziellen Reiz ist es, wenn einer der höchst gelobten, dabei aber Geheimtipp gebliebenen, Dirigenten der letzten zwei Jahrzehnte sein Debut bei der Bremer Kammerphilharmonie gibt: der Amerikaner David Zinman. Er dirigiert ein reines Beethoven-Programm, in dem der in Hannover ausgebildete Shottingstar der Pianistenszene, Igor Levit, das dritte Klavierkonzert spielen wird. Außerdem auf dem Programm: die „Eroica“.

Ein Celler Dauergast wird auch wieder in Bremen zu hören sein, nämlich Geiger Christian Tetzlaff. Dieses Mal musiziert er Alban Bergs Violinkonzert zusammen mit dem London Philharmonic Orchestra. Natürlich könnte man noch weitere hochkarätige Namen der Musikszene nennen, wichtiger jedoch als die Namen sind in Bremen fast immer die Programme und das künstlerische Profil jeden Abends. Die hervorragende Akustik in Bremens Konzerthaus Glocke ist ein zusätzliches Argument für einen Besuch. Weitere Informationen unter: www.musikfest-bremen.de

Von Reinald Hanke