Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Politik Journalistenmord: Slowakische Polizei verhaftet Verdächtige
Weltgeschehen Politik Journalistenmord: Slowakische Polizei verhaftet Verdächtige
16:11 27.09.2018
Trauer um den ermordeten Journalisten Ján Kuciak vor den Räumen der Aktuality Redaktion in Bratislava. Foto: Jakub Kotian Quelle: Jakub Kotian

Bratislava (dpa) - Sieben Monate nach dem Mord an einem Investigativjournalisten und seiner Verlobten hat eine Spezialeinheit der slowakischen Kriminalpolizei mehrere Tatverdächtige gefasst.

Im Zuge einer umfangreichen Razzia in der südslowakischen Stadt Kolarovo und anderen Orten seien insgesamt acht Personen verhaftet worden, berichtete das Nachrichtenportal «Dennik N» unter Berufung auf Polizeikreise.

Demnach soll es sich um den mutmaßlichen Mörder sowie Personen handeln, die bei der Tat halfen. Nach inoffiziellen Medieninformationen soll unter den Verhafteten auch ein ehemaliger Angehöriger der Polizei namens Tomas Sz. sein.

Der Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Kuciak hatte zuvor über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert.

Seine unvollendete Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Sie löste Massendemonstrationen gegen Korruption und den Missbrauch von EU-Fördergeldern aus. Als Folge der Proteste traten in der Slowakei die Regierung und der Polizeipräsident zurück.

Innenministerin Denisa Sakova nannte die Festnahmen einen «bedeutenden Fortschritt» in den Ermittlungen, in deren Rahmen bisher rund 200 Personen vernommen worden seien. Erfreut reagierten auch der sozialdemokratische Regierungschef Peter Pellegrini und andere Politiker des Landes.

Jozef Kuciak, der Vater des ermordeten Journalisten, zeigte sich gegenüber dem Nachrichtensender TA3 zunächst weiter skeptisch, ob die Tat nun tatsächlich vollständig aufgeklärt werde. Daniel Lipsic, der Anwalt der beiden Opferfamilien, sagte hingegen dem Nachrichtenportal Sme.sk: «Ich bin mir fast sicher, dass es genug Beweise gegen die Festgenommenen gibt.» Nach Informationen des Anwalts, der früher Justiz- und dann Innenminister war, soll sich die Ermittlertheorie bestätigt haben, wonach es nur einen ausführenden Mörder, aber mit einem Netz an Hintermännern gegeben habe.

Offen war zunächst weiterhin die Frage nach konkreten Auftraggebern der Bluttat. Wohl auch deshalb verweigerte die Polizei noch am Nachmittag detaillierte Auskünfte. Auf ihrer offiziellen Facebookseite bestätigte sie lediglich, dass «bei einem großen Einsatz mehrere Personen in Zusammenhang mit einer Gewalttat festgenommen worden» seien. Auch die Generalstaatsanwaltschaft wollte keine Stellungnahme abgeben. Sie mahnte die Medien zur Zurückhaltung in ihrer Berichterstattung, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden.

Für diesen Freitagabend sind weitere Proteste gegen Korruption in der Slowakei angekündigt. Die Organisatoren argumentieren, der aktuelle Fahndungserfolg ändere nichts daran, dass noch immer eine korrupte Elite das Land beherrsche.

Die Morde des NSU hat die Polizei erst sehr viel später als das erkannt, was sie wirklich waren: Verbrechen einer rechtsextremen Terrorgruppe. Laut einer Recherche von Journalisten sollen noch mehr rechte Gewalttaten zunächst falsch eingeordnet worden sein.

27.09.2018

Ist Russland noch eine Bedrohung? In den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Frage von etlichen Nato-Staaten verneint. 2014 hat sich das dramatisch geändert. In Kürze wird nun wieder für den Ernstfall trainiert - so groß wie schon sehr lange nicht mehr.

27.09.2018
Politik Heftige Kritik im Bundestag - Erdogan zu Staatsbesuch eingetroffen

Es ist der heikelste Staatsbesuch seit langer Zeit. Der türkische Präsident Erdogan pocht auf einen «Neustart» der Beziehungen zu Deutschland. Doch die Vorbehalte in Berlin sind groß. Und dann ist da noch die Fußball-EM 2024.

27.09.2018