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03. September 2010

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Seit Wochen Ebbe auf der Örtze

Klassischer Konflikt zwischen Tourismus und Naturschutz: Die Bootsverleiher an der Örtze müssen in den Sommermonaten damit klarkommen, dass einige Stellen des Gewässers quasi nie passierbar sind. Die Hüter der Pegelstände verweisen auf die sensiblen Kiesbänke. Sie sind der Lebensraum der Heidebäche.

CELLE. In Müden steht der Pegel der Örtze fast immer auf rot. Für die Bootsverleiher ist das ein schlechte Nachricht. Denn gepaddelt werden darf in dem Touristen-Dorf so gut wie nie, trotz der malerischen Kulisse. Auch in Oldendorf und Eversen sind die Pegel derzeit noch knapp im roten Bereich, wohingegen in Hermannsburg und Baven die „Ampel der Paddler“ auf grün steht, genauso wie im Bereich Stedden und Wolthausen.

„Wir hatten in den vergangenen Wochen etliche Absage“, sagt Reinhard Könemann, der in Hermannsburg einen Verleih betreibt. Seinen Verdienstausfall beziffert er schon jetzt auf bis zu 7500 Euro. Könemanns Gäste kommen nicht nur aus der Region Celle, sondern auch aus Hannover, Hildesheim oder Hameln. Wenn nicht gefahren werden darf, muss er seine Gäste umbuchen oder dafür sorgen, dass die Touristen in Boye ihre Tour beginnen und auf die Aller ausweichen.

Wenn der Wasserstand zu tief ist, dürfen keine Boote ins Wasser gelassen werden, sagt Kreisrat Gerald Höhl, der beim Landkreis Celle für Umweltfragen zuständig ist. Hintergrund sind die ökologisch sensiblen Kiesbänke, die den „wesentlichen Lebensraum eines Heidebaches“ ausmachen, wie Andreas Thies, Abteilungsleiter Naturschutz beim Landkreis, erläutert. Dort leben die Larven vieler Tiere. Muscheln haben in den Kiesbänken ihre Heimat, Bachforelle und Äsche laichen darauf. „Viele der Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und verdienen unseren Schutz“, sagt Thies, der außerdem auf die Umsetzung europäischen Rechts verweist. Mindestens 40 Zentimeter muss die Wasserschutzzone hoch sein, sonst wird der Bootsverkehr eingestellt. Die sieben Pegel im Verlauf der Örtze zeigen genau, wann gepaddelt werden darf und wann nicht.

Wer sich nicht daran hält, kann Ärger mit den Behörden bekommen. Erst in der vergangenen Woche hatten Polizisten Bootsfahrer zwischen Wolthausen und Winsen gestoppt, die trotz Verbots ins Wasser gestiegen waren. Sie müssen jetzt mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen. Das sieht der Tatbestandskatalog so her.

Zwar kann auch auf Aller, Lachte und Aschau gepaddelt werden, aber die Örtze gilt wegen ihrer idyllischen Lage als das Paradies für Bootstouristen. „Die Aller kann immer befahren werden. Sie ist aber bei Touristen weniger beliebt, weil sie wie ein langgezogener Strich durch die Landschaft ist. Die Aller ist langweilig“, sagt Bootsverleiher Könemann über den „Ausweichfluss“.

Trotz der Einschränkungen für seinen Betrieb hat er grundsätzlich Verständnis für die Fragen des Umweltschutzes. „Dass es geregelt werden muss, finde ich richtig. Früher waren die Regeln aber lockerer“, so Könemann. Es gehe oft um ein oder zwei Zentimeter Wasser. Vielleicht könnten die Behörde toleranter werden, meint er.

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