Streit um Planung für Gedo-Center
Die Planungen für die Gedo-Altstadt-Galerie zwischen Bergstraße und Südwall werden immer konkreter. Jetzt hat die Verwaltung den Entwurf des auf das Center zugeschnittenen Bebauungspans „Südwall“ und das dazu gehörende Verkehrsgutachten präsentiert. Und prompt entzündet sich ein handfester politischer Streit über das Vorhaben: Während SPD und Grüne aus dem Gutachten herauslesen, dass mit dem Bau des Centers ein „Verkehrschaos“ einhergehen würde, freuen sich CDU und FDP über eine der Kernaussagen beider Papiere: Ihr zufolge wird das Center nebst Parkhaus als durchaus machbar eingestuft.
CELLE-ALTSTADT. Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) ist kein Fan von Einkaufscentern. Daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Doch aus dem jetzt ausbrechenden politischen Streit um den Bau des Gedo-Centers in der Celler Altstadt will er sich heraushalten. „Der Oberbürgermeister hat die Aufgaben, die ihm die Ratsmehrheit aufgegeben hat, souverän abgearbeitet und einen B-Plan vorgelegt, der eine gute und kluge Arbeit der Bauabteilung unter Stadtbaurat Matthias Hardinghaus darstellt. Eine politische Bewertung darf ich nicht vornehmen.“
Sein SPD-Parteigenosse Jürgen Rentsch nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sieht die „schlimmsten Befürchtungen“ der SPD bestätigt und meint, dass ein „Verkehrschaos vorprogrammiert“ sei. Rentsch zitiert im Verkehrsgutachten erwähnte „ständige Rückstaus“ zum Beispiel an Ampel-Kreuzungen. Im Gutachten steht aber auch, dass an solchen Knotenpunkten auch ohne den Bau einer Galerie „Anpassungsmaßnahmen erforderlich“ seien. Allerdings sei die Celler Strategie sinnvoll, zunächst darauf zu verzichten und die positiven Effekte der Ostumgehung abzuwarten.
„Nicht machbar“: Die SPD moniert rund 130 Fehlende Center-Parkplätze, fordert das im Gutachten angesprochene intelligente Parkleitsystem und kommt zu dem Schluss, dass ein „vernünftiger Betrieb“ des Center-Parkhauses an der Ecke Wehlstraße/Bergstraße „nicht machbar“ sei und damit eine Grundvoraussetzung für die Altstadt-Galerie entfalle. SPD-Verkehrsausschussvorsitzender Reinhold Wilhelms verweist auf negative Center-Erfahrungen etwa in Hameln – sie machten ein „grundsätzliches Nachdenken über die Sinnhaftigkeit eines solchen Centers für Celle erforderlich.“
„Nicht gelesen?“: FDP-Ratsherr Hans-Herbert Encke sieht das völlig anders: „Das Ergebnis dieses Gutachtens sieht nun keineswegs so negativ aus, wie es die SPD glauben machen will. Haben die Verkehrsexperten der SPD das Gutachten nicht ordentlich gelesen? Denn die Verkehrsqualität wird insgesamt als mindestens befriedigend angesehen, und zwar auch, wenn der Nordwall gegenläufig befahren wird.“ In dem Gutachten könne man aber auch lesen, dass die Verkehrssituation auch ohne Galerie nur befriedigend sei. „In einem Punkt hat die SPD aber recht. Das ist das so genannte Parkleitsystem in Celle, das eigentlich nur sagt: Fahr solange rum, bist du ein Parkplatz gefunden hast“, polemisiert Encke. „Das aber hat mit der Altstadtgalerie nichts zu tun, sondern ist eine Sache der Stadt.“
Mehr Autos: Grünen-Fraktonsvorsitzender Bernd Zobel bereiten die 3450 zusätzlichen Fahrzeuge, die laut Gutachten pro Tag wegen des Centers zusätzlich in die Stadt kommen sollen, Sorge: „Grüne Verkehrs- und Mobilitätspolitik strebt hingegen eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens im Bereich der Kern-Innenstadt an. Modernes Stadtleben verträgt sich nicht mit zusätzlichem PKW-Verkehr. Hat uns das Betreiberkonzept der Altstadt-Galerie bis heute nicht überzeugt, so gilt das auch für das Verkehrskonzept.“
„Großer Schritt“ nach vorn: „Die Vorlage erfüllt in den wesentlichen Teilen die in der Grundsatzerklärung vom Rat beschlossenen Vorgaben“, betont hingegen CDU-Fraktionschef Gevers, dessen Fraktion den Plan noch nicht beraten hat: „Erfreulich ist, dass in den aktuellen Gutachten keinerlei unlösbare Einwände erhoben werden. Die Vorlage wird die Realisierung des Einkaufszentrums einen großen Schritt voranbringen und wir hoffen, dass mit der Vorlage konkreter Daten und Fakten eine konstruktive Diskussion in der Politik und mit der Bevölkerung eingeleitet wird.“
CELLE (mi). Mit dem Bebauungsplan „Südwall“ werden sich die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses und des Ortsrates Altstadt-Blumlage in ihrer gemeinsamen Sitzung befassen, die am Donnerstag, 5. August, um 17 Uhr in der Alten Exerzierhalle beginnt.
Außerdem auf der Tagesordnung: die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Städtebaulicher Denkmalschutz Innenstadt.
Kernaussage des Bebauungsplan-Entwurfs: „Vorhaben umsetzbar“
„Die fachplanerischen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben umsetzbar ist“, heißt es in der Zusammenfassung des jetzt vorgelegten Bebauungsplan-Entwurfs. „Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass sich das Verkehrsaufkommen aus der Altstadt Galerie auf den Gesamtverkehr nur unwesentlich auswirkt, die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte kann nachgewiesen werden.“
Im jetzt vorgelegten Verkehrsgutachten steht: „Zusammenfassend ergibt sich für die äußere Erschließung des Parkhauses Altstadt-Galerie der Nachweis der Leistungsfähigkeit.“ Lediglich eine Kreuzung müsse wegen des Centers ausgebaut werden, das habe eine Untersuchung aller relevanten Knotenpunkte der Innenstadt ergeben: „Hierbei konnte festgestellt werden, dass sich das Planvorhaben verkehrlich kaum im Innenstadtnetz von Celle bemerkbar machen wird, sonder eher lokal im Umfeld des geplanten Galerie-Parkhauses zu Belastungsänderungen führt, die einen Ausbau des Knotenpunkts Wehlstraße/Bergstraße und die Errichtung einer Lichtsignalanlage erfordern.“
Computer-Simulationen hätten Folgendes ergeben: „Insgesamt konnte für die äußere Erschließung des Parkhaus Altstadtgalerie und den neu konzipierten Knotenpunkt Wehlstraße/Bergstraße (...) der Nachweis der Leistungsfähigkeit erbracht werden.“ Das gelte sowohl bei einspurigem Verkehr im Nordwall als auch im geplanten gegenläufigen Verkehr.
Meinung
Was Ihr wollt
Die Celler müssen entscheiden, was sie in ihrer Altstadt haben wollen: Etwas „Neues“, was aber schon gar nicht mehr neu ist, weil fast alle anderen es längst schon haben – oder das Alte, was irgendwann irgendwie „neu“ sein könnte, wenn sich die anderen darauf zurückbesinnen. Stillstand als Aufgalopp für den Fortschritt, darauf warten, entdeckt zu werden – darin macht den Cellern kaum einer etwas vor.
Das Alte ist nicht richtig, und das Neue könnte falsch sein. Wer weiß schon, was sein wird? Ist Nichtstun am Ende gar besser als etwas zu unternehmen? Fragen über Fragen, über die in Celle schon seit Jahren philosophiert und ab sofort auch wieder trefflich gestritten wird.
Fakt ist: Wer handelt, ist im Vorteil. Wer nur zusieht, wie sich die Welt um ihn herum verändert, wer nicht begreift, dass sich längst sehr viel verändert hat, der drängt sich selbst in die Rolle des passiven Opfers.
Die Frage ist: Sind wir Celler so? Wollen wir so sein? Wenn wir uns damit begnügen, lediglich abzuwarten und zu hoffen, dass sich etwas Grundlegendes von alleine bewegt, dann könnten wir unsere Politiker getrost nach Hause schicken. Dann brauchen wir keine Politik, sondern eine Fee, die die Stadt wachküsst. Michael Ende