Foto: - Silke Spiegelburg hat sich im Stabhochsprung die Silbermedaille gesichert.
Autor: dpa,
am: 30.07.2010
Gold, Silber und Bronze: Deutsche jubeln weiter
Barcelona (dpa) - Das deutsche Team ist bei der Leichtathletik-EM in Schwung gekommen. Hammerwerferin Betty Heidler hat bei der Leichtathletik-EM in Barcelona die dritte Goldmedaille für Deutschland geholt. Die Stabhochspringerinnen Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih bejubelten Silber und Bronze.
Die 26 Jahre alte Frankfurterin Heidler siegte mit ihrer Jahresbestweite von 76,38 Metern vor Titelverteidigerin Tatjana Lysenko aus Russland (75,65) und der Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk aus Polen (73,56). Für Heidler war es nach ihrem WM-Sieg von 2007 der zweite große Titel ihrer Karriere.
Stärker als das deutsche Stab-Duo war nur die Russin Swetlana Feofanowa, die eine europäische Jahresbestleistung aufstellte (4,75). Spiegelburg und Ryzih übersprangen nur 4,65 Meter, knüpften aber an die deutschen Erfolge vom Vorabend an. Da hatten der Triumph von Verena Sailer über 100 Meter und der Doppelsieg von Lisa Stahl und Christina Obergföll im Speerwurf das lange Warten auf die ersten Medaillen beendet.
Während die fünffache deutsche Meisterin Spiegelburg und die erst 21 Jahre alte Ryzih ihren ersten großen internationalen Erfolg mit einer Ehrenrunde feierten, blieb für Carolin Hingst nach schwachen 4,35 Metern nur Platz elf. Bis zum Freitag hatte die Mainzerin die Jahresbestenliste des Kontinents angeführt. Die 30 Jahre alte Feofanowa kehrte acht Jahre nach ihrem Sieg von München auf den europäischen Thron zurück. Sie nutzte die Chance, die sich durch die Wettkampfpause von Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa (Russland) und die Verletzung von Weltmeisterin Anna Rogowska (Polen) geboten hatte.
Zwei Tage nach seinem Sieg über 100 Meter gewann Christophe Lemaitre mit einem beeindruckenden Schlussspurt auch Gold über 200 Meter. Beim siebten Sprintdouble der EM-Historie siegte der Franzose in 20,37 Sekunden vor dem lange führenden Briten Christian Malcolm (20,38) und Martial Mbandjock (20,42). «Ich genieße diesen Moment. Dies ist ein wichtiger Tag für Frankreichs Leichtathletik», sagte Lemaitre, der nach der Hälfte des Rennens noch weit zurückgelegen hatte. Europas neuer Sprintstar ist der 20-Jährige damit bereits, der erfolgreichste Athlet der EM kann er auch noch werden: Am Sonntag läuft er mit der 4 x 100-Meter-Staffel um seinen dritten Titel.
Marta Dominguez gewann mit Silber die erste Medaille für Gastgeber Spanien, musste sich im Finale über 3000 Meter Hindernis aber der Russin Julia Zarudnewa geschlagen geben. Über 400 Meter gab es sogar einen russischen Dreifachsieg: Tatjana Firowa gewann in der europäischen Jahresbestzeit von 49,89 Sekunden vor Ksenija Ustalowa und Antonia Kriwoschapka. Der Brite Andy Turner siegte über 110 Meter Hürden. Alexander John (Leipzig) wurde im Endlauf Achter und Letzter.
Während die deutschen Medaillenhoffnungen Ariane Friedrich und Carolin Nytra ihre ersten EM-Hürden erfolgreich nahmen, sorgte Diskus-Weltmeister Robert Harting schon einen Tag vor seinem Qualifikations-Wettkampf für Aufsehen. Der 25 Jahre alte Berliner fordert vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eine stärkere Unterstützung für seinen Bruder Christoph. «Wenn ich eine Medaille mache, will ich eine Förderungsgarantie für meinen Bruder», schrieb Harting in einer Pressemitteilung. DLV-Präsident Clemens Prokop reagierte gelassen: «Wir haben Kaderkriterien, die für alle gelten. Er setzt sich für seinen Bruder ein, das ist legitim.»
Friedrich (Frankfurt) übersprang in der Qualifikation 1,90 sowie die geforderten 1,92 Meter und blieb auf dem Weg ins Finale genauso ohne Fehlversuch wie Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien). «Jetzt kann ich am Sonntag angreifen», sagte die WM-Dritte
Nytra (Bremen) wurde nach 12,89 Sekunden zwar nur Zweite ihres Vorlaufs, erreichte aber genauso das Halbfinale wie Nadine Hildebrand (Stuttgart) und Cindy Roleder (Leipzig). «Ich habe versucht, nichts zu riskieren. Mein Ziel war und ist eine Medaille», sagte Nytra.
Beim Sieg des Franzosen Yohan Diniz im 50 Kilometer Gehen belegte der Berliner André Höhne den siebten Platz und war darüber «extrem glücklich». Der 32-Jährige hatte mit Magenproblemen zu kämpfen. «Aber ich habe gezeigt, dass ich zur Weltspitze gehöre», meinte er stolz.