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Autor: Ulrike Hofsähs, dpa, am: 31.07.2010
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Report: 21 Kerzen für Loveparade-Opfer

Duisburg (dpa) - Die Trauernden kommen durch einen Seiteneingang. Rund hundert Angehörige der Loveparade-Opfer betreten langsam die Duisburger Salvatorkirche. Kinder, Großeltern, Eltern. Manche Hand in Hand. Mit ernsten Gesichtern setzen sie sich still in die reservierten Reihen.

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Notfallseelsorger begleiten sie. Und auch die Helfer, die bei der Loveparade-Tragödie im Einsatz waren, sind beim Gedenkgottesdienst am Samstag dabei. Sie tragen ihre leuchtende Einsatzkleidung, wie bei der Katastrophe eine Woche zuvor.

Die Spitzen des Staates sind in das gotische Gotteshaus gekommen, um mit den Hinterbliebenen und Rettern um die Toten zu trauern. In der ersten Reihe sitzen Bundespräsident Wulff und seine Frau, Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Lammert (CDU) mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Kraft (SPD) zusammen. Nach dem Gottesdienst trifft sich Merkel hinter verschlossenen Türen mit den Angehörigen.

«Die Loveparade wurde zum Totentanz, liebe Gemeinde», so direkt eröffnet der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, seine Predigt. Er spricht von den Schreckensbildern, den fassungslosen Menschen und erschütterten Helfern - und von «Menschen, die wie versteinert Verantwortung von sich wegschieben». Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck kommt in seiner kurzen Predigt auf das Thema zu sprechen, das ganz Deutschland seit einer Woche umtreibt. Gott sei für alle da, sagt er, «und auch für diejenigen, die sich der Verantwortung stellen müssen».

Duisburgs CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland kam nicht zu dem Gedenkgottesdienst. Das Rathaus liegt direkt neben der Kirche, doch das mit Rücktrittsforderungen konfrontierte, umstrittene Stadtoberhaupt ist seit Tagen abgetaucht. Die Kritik bleibt, auch direkt vor dem Rathaus. Inmitten der Absperrungen ist ein Plakat ausgebreitet: «Steht endlich ALLE zu dem was IHR unterlassen habt und erspart den Angehörigen diese FARCE».

Ein Kerzenlicht vom Unglücksort und die Kondolenzbücher von der improvisierten Gedenkstätte hatten Rettungskräfte in einer Prozession am Morgen in die Salvatorkirche getragen. Die Einsatzkräfte vom Katastrophentag gestalten den einstündigen Gottesdienst mit. Notfallseelsorger, THW-Helfer, Betreuer der Angehörigen zünden langsam Kerzen auf dem Altar an. 21 Kerzen sind es, eine Kerze für jeden Toten. Es dauert sehr lange, bis nach und nach alle Lichter brennen. So wird symbolisch deutlich, welch große Zahl von Toten die Katastrophe hinterlassen hat.

Viele der rund 500 Trauergäste ringen immer wieder mit der Fassung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Kraft spricht nach dem religiösen Teil Worte des Gedenkens. Die Politikerin hat in den vergangenen Tagen selbst mit vielen Angehörigen von Opfern geredet. Und sie bekennt, mit brüchiger Stimme: «Ich fühle selbst wie schwer es ist, sich nach einer solchen Woche wieder dem Leben zuzuwenden.»

Am Unglücksort wurden Trauerkränze niedergelegt. Die Bundeskanzlerin hat ein großes Gebinde in Schwarz-Rot-Gold geschickt. Daneben sind Kränze vom Bundespräsident, von der Ministerpräsidentin, der Stadt Duisburg, von Taxifahrern. Die schweren Blumengestecke stehen auf dem Bürgersteig, vor dem Tunnel, der zum Schauplatz der Katastrophe führt. Auch Bürger haben Sträuße mit breiten Trauerschleifen abgelegt - und mit eindeutigen Aufschriften: «Erst Friede, Freude, Eierkuchen - jetzt Trauer, Wut und Hass - Warum?».

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