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Hunde mit Stromstößen gequält

Teletaktgerät Foto: nicht zugewiesen

Eine ganz besonders perfide Art der Tierquälerei beschäftigt derzeit Celler Tierschützer. In diesem Monat sind bereits zwei Hunde vor ihren Besitzern in Obhut genommen worden, die ihnen mit Teletaktgeräten Stromstöße verabreicht haben. Diese Geräte sind gesetzlich verboten. Sie werden dennoch zu Ausbildungszwecken eingesetzt. Die Tiere erleiden dadurch erhebliche seelische Qualen.

CELLE. Der Schwanz des Dalmatiners wedelt nicht, wenn man sich ihm nähert. Das Tier hat seine „Rute“ vielmehr zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt. Es zittert, wenn man in seine Nähe kommt, es duckt sich und läuft weg. Als das Tier im Celler Tierheim ankam, war ihm die Panik in seinen Augen noch deutlich anzusehen.

All diese Anzeichen sind offenbar durch den Einsatz eines so genannten Teletaktgeräts verursacht worden. „Mit Hilfe eines Senders kann der Hundehalter beziehungsweise der Hundeausbilder auf Knopfdruck elektrische Impulse aussenden, die dem Hund durch ein spezielles Halsband einen Stromstoß, dessen Stärke in der Regel variabel ist, verabreichen“, erläutert Claudia Holletzeck, Fachkoordinatorin beim Deutschen Tierschutzbund. Auf Druck der Tierschutzorganisationen sind derartige Geräte seit der Novellierung des Tierschutzgesetzes im Mai 1998 verboten.

In dem jüngsten Fall, der die Mitarbeiter des Celler Tierheimes derzeit schockiert, meldete eine Cellerin, dass ihr ein Dalmatiner aus dem Wald gefolgt sei. Sie habe ihn in den Garten gelassen und das Tor geschlossen, weil der Hund panisch reagierte. Das Teletaktgerät, das er trug, war auf Sendung.

Auch die beiden Mitarbeiterinnen des Tierheims ließ das verunsicherte Tier nicht an sich heran. Es war weder mit guten Worten noch mit Futter zu locken. Während sie versuchten, das Tier einzufangen, wurde das Gerät mehrmals ausgelöst. Jedes Mal reagierte der Hund voll Panik, jaulte und versuchte zu fliehen. Mit zwei Fangleinen gelang es den Celler Tierschützern schließlich, den Dalmatiner doch einzufangen. Sie befreiten ihn von seinem Halsband.

Kurz bevor die Mitarbeiterinnen mit dem Hund im Tierheim ankamen, meldete der Besitzer um kurz vor 18 Uhr seinen Hund als vermisst. „Der Köter“, so soll er gesagt haben, sei aus dem Zwinger „abgehauen“. Das Tier mussten die Tierschützer indes wieder an seinen Besitzer zurückgeben.

„Die artgerechte Erziehung von Hunden muss auf verhaltensbiologischen Erkenntnissen beruhen“, sagt Tierschutz-Expertin Holletzek. „Da die von Erziehungshalsbändern ausgehenden Strafreize nicht zu den hundetypischen Reizauslösern gehören, ist mit einer starken Verunsicherung des Tieres zu rechnen, welche im schlimmsten Fall zu Verhaltensstörungen führen kann“, sagt Holletzek. Der Hund könne den Strafreiz (der ihn zum Beispiel vom Jagen abhalten soll) eines Elektroreizgerätes in der Regel nicht mit seinem „Fehlverhalten“ in Verbindung bringen, insbesondere dann nicht, wenn das unerwünschte Verhalten und die Bestrafung nicht vollkommen zeitgleich erfolgen.


Gesetzliche Regelungen: Paragraf 3, Nummer 11 des Tierschutzgesetzes regelt, dass der Einsatz von Elektroreizgeräten absolut verboten ist.Ein Verstoß dagegen ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer ein Gerät wiederholt einsetzt, begeht unter Umständen sogar eine Straftat (Paragraf 17, Nummer 2 b des Tierschutzgesetzes). Mehrere Gerichtsurteile haben das tierschutzrechtliche Verbot des Einsatzes von Elektroreizgeräten in der Hundeausbildung bestätigt.

Andere Erziehungshalsbänder: Kritisch beurteilt der Deutsche Tierschutzbund auch andere Erziehungshalsbänder, die mit unterschiedlichen Mechanismen wie kaltem Wasserstrahl, Zitronensäure oder Stickstoff arbeiten. Auch bei diese Sprühmechanismen gibt es dieselbe Problematik wie bei den Elektro-Halsbändern. Dennoch werden sie im Internet zum Kauf angeboten.

Teletaktgeräte sind verboten, weil sie die Psyche eines Tieres nachhaltig beeinträchtigen können. Der Hundehalter sendet mittels eines Senders einen Impuls, der einen Stromstoß auslöst. Damit soll das Tier von einem „Fehlverhalten“ wie Jagen oder Bellen abgehalten werden. Tierschützer kritisieren diese Methode, die zu Verhaltensstörungen führen kann.
Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 23.09.2010 um 21:42 Uhr
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