Durchgehend faszinierendes Klangerlebnis: Alexander Schimpf begeistert

Kammermusikring: Alexander Schimpf (Klavier) Foto: Peter Müller

Der noch junge Pianist Alexander Schimpf hat bereits mehrfach durch den Gewinn bedeutender Preise auf sich aufmerksam gemacht, wurde von der „Deutschen Stiftung Musikleben“ gefördert und im Jahre 2008 in die „53. Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ des deutschen Musikrats aufgenommen. Mit Klavierwerken von Mozart, Ligeti, Chopin und Schubert war er jetzt auf Einladung des Celler Kammermusikrings in der Residenzhalle zu Gast.

CELLE. Musik bewegt nicht, wenn nicht jenseits des sehr soliden Musizierens auch der künstlerische Impetus und die Entschlossenheit, musikalisches Gefühl zu offenbaren, spürbar werden. In der Residenzhalle brauchte der Pianist Alexander Schimpf im Konzert des Celler Kammermusikrings zwar eine gewisse Anlaufzeit, überzeugte dann aber mit diesen Tugenden und einem abwechslungsreichen Programm durchaus. Ein hohes Maß an Virtuosität kann man ihm nicht absprechen und auch im Klangempfinden und in seiner Anschlagskultur scheint er gut gerüstet. Sein Klavierspiel entbehrt jeder Grobheit, ohne dabei an Elan einzubüßen, und er verfügt über eine große Anzahl an verschiedenen dynamischen Nuancen. Der oft übertriebene Klavierdonner, der schnell verfliegt und kaum interpretatorische Wirkung hinterlässt, ist seine Sache nicht. Im Gegenteil – die einzelnen Teile wirken logisch und durchdacht, verschleiern nichts und verlieren zu keinem Zeitpunkt an Transparenz. Und schließlich verriet die Programmzusammenstellung mit Mozarts c-Moll Klaviersonate KV 457, zwei Etüden von György Ligeti („Fanfares“ und „Arc-en-ciel“), den drei Mazurken op. 59 von Frédéric Chopin und schließlich Franz Schuberts Klaviersonate B-Dur D 960 auch Flexibilität und Mut zum musikalischen Risiko.
Zu den beiden Etüden von György Ligeti gab Alexander Schimpf selbst eine kurze, dankbar angenommene Einführung, die es leichter machte, Ligetis Spiel mit Atonalität und Konsonanz, den Einfluss des Jazz und die Verschiebung von Rhythmen zu verfolgen. Beide Stücke waren mehr als nur eine „Geläufigkeitsübung“ und wurden unter den Händen von Schimpf zu einem durchgehend faszinierenden Klangerlebnis.
Wirkten die Mozartsonate zu Beginn und auch die Mazurken von Frédéric Chopin trotz geschliffener Verzierungen und zügiger Tempi in den schnellen Sätzen noch etwas temperamentlos und in den langsamen Teilen uninspiriert, so gewann Schimpfs Klavierspiel in Schuberts B-Dur-Sonate endgültig an jener gestalterischen Ausdruckskraft, die auch in die Tiefe des Werks vordringt. Mit feinsten Nuancen zeichnete er die Melodik des einleitenden Allegro-Satzes nach und auch das tänzerische Scherzo gestaltete er wahrlich „con delicatezza“. Das effektvolle Finale brachte Alexander Schimpf schließlich den Beifall, den er sich redlich verdient hatte: lang, begeistert, herzlich.
Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 20.01.2011 um 22:01 Uhr
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