Opus Magnum ist Masse für Hirn und Bett

MATINEE: ARNO SCHMIDT – Vortrag und Lesung „Zettel’s Traum“ Foto: Peter Müller

Warum ist das Buch so groß, warum so dick, und warum hüpft die Kolumne wie betrunken hin und her?“, führte Susanne Fischer, Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Geschäftsführerin der Arno-Schmidt-Stiftung ein in die Matinee „Zettel’s Traum. Ein Riesenroman wird neu entdeckt“, die jüngst zur Freude der Vortragenden und der Intendantin Bettina Wilts atemberaubend viele Menschen in die Residenzhalle zog.

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CELLE. „Warum ist das Buch so groß, warum so dick, und warum hüpft die Kolumne wie betrunken hin und her?“, führte Susanne Fischer, Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Geschäftsführerin der Arno-Schmidt-Stiftung ein in die Matinee „Zettel’s Traum. Ein Riesenroman wird neu
entdeckt“, die jüngst zur Freude der Vortragenden und der Intendantin Bettina Wilts atemberaubend viele Menschen in die Residenzhalle zog. Bevor Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten aus dem Vorstand der Arno Schmidt Stiftung Textpassagen aus dem Mammutwerk des Bargfelder Autors vorlasen und Buchgestalter Friedrich Forssmann von den Herausforderungen der typographischen Setzung des Manuskripts erzählte, sprach Susanne Fischer leicht verständlich und gut strukturiert über den Aufbau des 1536 Seiten langen Romans (1970), der ein Viertel des Schmidt’schen Gesamtwerks einnimmt. Fischer verwies auf die optisch wechselnde Kolumne, mit der inhaltliche Zuordnungen einhergehen, auf die 16000 Anmerkungen und Querverweise, kurz: den unkonventionellen, auf acht Einzelbücher unterteilten Text mit durchlaufender Kolumne. Schmidt bewege sich in Zeichensetzung, Rechtschreibung und Orthografie jenseits der DIN-Norm der Schriftstellerkunst. In alledem spiegele sich der ständige Austausch des Bewussten und Unbewussten. „In der Wortwahl schwingt das Unbewusste mit, auch über den Umweg der Fremdsprache“, so Fischer. Wozu aber der Aufwand, der Umfang, das Spezial-Layout? Zwecks Inhalt: Vier Personen sprechen an einem Tag 1968 über Edgar Allan Poe. Heidedorfszenen kreuzen sich mit dem Thema Zauberei, die „Etym-Theorie“ mit drastisch artikulierter Sexualität. „Es geht auch um Kunst und den Raum, den sie beanspruchen soll. Der Umfang ist Schmidt nicht unterlaufen, er ist Programm.“ Hat der Autor in seiner frühen Prosa eine Selektion der Realität, so nun zwischenmenschliche Beziehungen in Echtzeit literarisiert.

Forssmann, der sich früh für Schmidt begeisterte, ging 21-jährig als Studienprojekt die gesetzte Fassung an. Recherchen zur Legitimität des Vorhabens hinsichtlich der Maßgaben Schmidts gingen einem jahrelangen Unterfangen voraus. Sprachgewandt nahm Forssmann die Gäste mit auf eine spannende Odyssee aus Zeichen- und Seitenumbruch, 15000 Korrekturen beim Probedruck und nannte als einen Lektoren Hermann Wiedenroth (Bargfeld). Geblieben sei dem Setzer der „Bargfelder Ausgabe“ die „narzistische Kränkung“, dass alle Mühen unsichtbar geworden sind. Schließlich erörterte Rauschenbach Lesarten des „Traums“. Ein Autor für „den lauwarmen Leser“ war Schmidt bekanntlich nicht. Im Vorbeigehen könne man den Roman nicht fassen, schwierig auch sei die Handhabung des 10-Kilo-Wäzers im Bett. Liest man den Hauptstrang oder alle Teile simultan? Eignet man sich die Weisheit der Verweise an oder legt man die Studien-, Leinen- oder Vorzugsausgabe (248, 348 oder 448 Euro) von Schmidts Opus magnum nur bedeutsam ungelesen auf den Tisch? Eine Lesung, die sogar Nicht-Fans begeistern konnte.
Aneka Schult Autor: Aneka Schult, am 24.02.2011 um 16:17 Uhr
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