bewölkt CELLE  
22°
SO 21° / 13°
MO 20° / 12°

Celle als Geothermie-Welthauptstadt

Die Celler CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Adasch (links) und Karl-Heinrich Langspecht mit Wissenschaftsministerin Johann Wanka (CDU) und Celles Erster Stadträtin Susanne Schmitt. Foto: nicht zugewiesen

Celle, die Stadt, die sich mit ihrem Geothermie-Cluster als „Stadt mit Energie“ international einen Namen macht, soll Niedersachsens Zentrum für Erdwärme- Forschung werden. Die CDU-FDP-Regierung in Hannover setzt auf Geothermie. Die Energie aus der Erde gilt als eine der zukunftsträchtigsten Alternativen zum Auslaufmodell Kernenergie. Die Pläne für Celle sind ehrgeizig: Die Stadt an der Aller soll zum weltweit führenden Zentrum der neuen Technologie ausgebaut werden.


CELLE. Die „apokalyptischen“ Vorgänge in Japan erschütterten ihn, sagt Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Doch so grauenvoll das alles sei – man könne dem auch Positives abgewinnen, so der OB: Wenn es um die Suche nach Alternativen für die immer mehr in Verruf geratende Atomkraft gehe, sei Celle als Hochburg der Geothermie-Technologie „ideal aufgestellt“. Mende fordert, dass die Erdwärmeforschung vom Bund ähnlich gefördert werden müsse „wie die Atomkraft in den Fünfzigern“. Auf Landesebene hat man damit bereits begonnen.

„Die Niedersächsische Landesregierung hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In den nächsten zehn Jahren soll der Anteil der regenerativen Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 25 Prozent erhöht werden. Neben Windkraft, Biomasse und Photovoltaik wird die Nutzung von Erdwärme als vierte große Säule der regenerativen Energien zunehmenden Bedeutung bekommen. Dies vor allem, weil die tiefengeothermischen Potenziale Niedersachsens nach Expertenmeinung als sehr hoch eingeschätzt werden. Vor allem steht Erdwärme im Gegensatz zu Wind und Sonne uneingeschränkt und unerschöpflich zur Verfügung“, so der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Heinrich Langspecht.

Um Niedersachsens Erfolge auf dem Gebiet der Erdwärmenutzung nachhaltig zu sichern und weiter auszubauen, hätten die Landtagsfraktionen von CDU und FDP jetzt einen parlamentarischen Antrag eingebracht, so Langspechts Celler Fraktionskollege Thomas Adasch: „Mit dem Antrag wollen wir die Einrichtung eines deutschen Zentrums für Tiefengeothermie und Studiengänge in diesem Fachbereich initiieren.“ Wo dieses Zentrum aufgebaut werden soll, daran lässt Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) keinen Zweifel. Sie betont, dass neben günstigen geologischen Voraussetzungen auch das Engagement der Menschen vor Ort entscheidend sei, um die Spitzenposition des Landes in Sachen Geothermie weiter auszubauen: „Der Standort Celle bietet beste Voraussetzungen, um die Nutzung von Erdwärme weiter zu erforschen.“

„Die in Celle ansässige Bohrindustrie ist der Schlüssel für eine kostengünstige Erschließung der unter uns liegenden geothermischen Potenziale“, erläutert Celles CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Heiko Gevers, der in seiner Eigenschaft als Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium in Hannover Impulse für die Entwicklung seiner Heimatstadt gibt. Immer mehr zeichne sich nun ab, dass jahrelange Aufbauarbeit für den Geothermiestandort Celle Früchte trage: „Die CDU-Landtagsabgeordneten des Umweltausschusses werden sich in der nächsten Woche ein Bild von den Entwicklungen in Celle machen. Unser Ziel ist klar: Celle als Zentrum für Geothermie.“

Im Landtag rennen CDU und FDP mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. Am Standort Celle könne ein Zentrum für die wissenschaftliche und die wirtschaftliche Erkundung der Geothermie entstehen. Hier seien Voraussetzungen geschaffen, auf die man aufbauen könne, sagt der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Rolf Meyer als energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion: „Der Verein GeoEnergy, die Stadt Celle, das Unternehmen Baker Hughes sowie die Vielzahl weiterer am Standort Celle vorhandener Unternehmen der Bohrindustrie, das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe – alle diese Einrichtrungen zusammenbringen und die Ergebnisse nutzen, das ist Aufgabe, vor der wir stehen. Das Land Niedersachsen muss noch stärker als in der Vergangenheit koordinieren und fördern“

Celles Erste Stadträtin Susanne Schmitt reist in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Vereins „GeoEnergy“ derzeit quer durch Deutschland, führt immer wieder Gespräche in Ministerien in Hannover und Berlin. Sie ist fest davon überzeugt, dass Celle mit seiner Erdwärme-Forschung nicht nur auf irgendeinen Trend setz, sondern dass hier die Energie der Zukunft entwickelt wird – dass Celle das Zeug zur Geothermie-Welthauptstadt hat. Und dass noch viel mehr nach Celle kommt als die bisher vom Land investierten 15 Millionen Euro, ist für Schmitt auch klar. Schmitt macht Dampf: „Ich gehe davon aus, dass wir in Kürze eine Vereinbarung mit vier Universitäten abschließen werden, um in Celle in Kooperation mit der Industrie weltweit einzigartiger Forschung voranzutreiben.“




Meinung

Potenzial

Richtiger und zukunftsträchtiger könnte er gar nicht sein – der Weg, den Celle in Sachen Geothermie eingeschlagen hat. Nicht nur, dass man hier auf eine aussichtsreiche Alternative zur monströsen Kernenergie setzt – die Erdwärmetechnik hat alles anderen regenerativen Energien auch etwas ganz Entscheidendes voraus: Sie frisst keine Landschaften auf. Hinzu kommt noch, dass es sie überall gibt und dass Erdwärme keine Flaute kennt: Sie ist jederzeit verfügbar.

Die fällige Erschließung der Geothermie ist eine Frage des „Gewusst Wie.“ Während man in diese Hinsicht andernorts bei Null anfangen müsste, kann man in Celle auf einzigartiges Know-how aufbauen. Das geht den Verantwortlichen in Hannover und hoffentlich bald auch in Berlin immer mehr auf: In Celle entwickelt sich etwas von weltweiter Bedeutung. Wer hier jetzt investiert, wird später kassieren.

Und die Celler Uni? Die Zeiten, in denen Celler um irgendwelche Phantasie-Studiengänge betteln mussten, dürften bald vorbei sein. Allzu klar ist, was immer stärker Forscher aus aller Welt in die „Stadt mit Energie“ locken wird: Geothermie. Michael Ende

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 18.03.2011 um 16:42 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Zika macht Pause: Olympia-Risiko gering

Rio de Janeiro (dpa) - Sie hat sich rar gemacht in Rio de Janeiro, die Moskitoart Aedes aegypti. Diese Moskitos sind der Hauptüberträger des mysteriösen Zika-Virus. ...mehr

Schiller geht im Herbst auf Tour

München (dpa) - Mit dem im Frühjahr 2016 erschienenen Album «Future» landete Christopher von Deylen - besser bekannt als Schiller - einen lupenreinen Hattrick. ...mehr

Kinder kochen gemeinsam in Wienhausen

Das wichtigste Rezept haben die Landfrauen aus Wienhausen vorne auf dem Rezeptheft für die Kinder geschrieben: „Ein Viertel Lust auf Kochen, ein Viertel Liebe am Schönen, ein Viertel Freude am Essen, ein Viertel Herz und Verstand“. Das diese Grundzutaten wunderbar abgestimmt sind, ist sofort bei… ...mehr

Neue Shows auf ProSieben und Sat.1

Berlin (dpa) - Der Fernseh-Abschied von Entertainer Stefan Raab vor mehr als einem halben Jahr hat beim Privatsender ProSieben Lücken gerissen. Joko und Klaas sollen helfen, diese zu schließen und weitere Shows moderieren. ...mehr

Filmfestival Locarno mit starker deutscher Präsenz

Bern/Locarno (dpa) - Der deutsche Film ist beim 69. Internationalen Filmfestival von Locarno (3.-13. August) stark vertreten. ...mehr

Olympia-Team steht: DOSB mit 425 Sportlern nach Rio

Frankfurt/Main (dpa) - Ein etwas kleineres Team als erwartet soll dem deutschen Sport bei den Olympischen Spielen am Zuckerhut mindestens genauso viele Medaillen bescheren wie vor vier Jahren in London. 425 Sportlerinnen und Sportler vertreten Deutschland bei den Sommerspielen vom 5. bis 21. August… ...mehr

Pokalschiessen Männerschießsportgruppe Diesten

Am ersten Wochenende im Juli fand bei der Männerschießsportgruppe des Schützenvereins Diesten e.V. der alljährliche Grillabend mit Pokalverleihung am Dorf- und Feuerwehrgerätehaus statt. ...mehr

Rekord bei Müdener Volkstriathlon

Ein Läufer-Urgestein, das mit 80 Jahren noch längst nicht müde ist, eine junge Frau, die sich barfuß auf ihre zwei Runden um den Heidesee machte, und ein Wettergott, der die Organisatoren und Teilnehmer vom Regen verschonte. Auch bei seiner 28. Auflage hatte der Volkstriathlon in Müden wieder einiges… ...mehr

Anzeige
16.07.2016

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anm. und E-Paper lesen
» Jetzt neu registrieren

Sie können aber vorab auch gern einmal kostenlos unsere Probe-Ausgabe durchblättern.

» Probe-Ausgabe ansehen
THEMENWELT »
AKTUELLES »

Alle russische Gewichtheber von Olympia ausgeschlossen

Rio de Janeiro (dpa) - Auch der Internationale Gewichtheber-Verband IWF hat vor Olympia gegen Russland…   ...mehr

30 000 Menschen zur Pro-Erdogan-Demo in Köln erwartet

Köln/Berlin (dpa) - Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei blickt Deutschland mit Sorge auf eine…   ...mehr

«Lindenstraßen»Star Georg Uecker ist HIV-positiv

Köln (dpa) - Ob man ihn nun mag oder nicht: Der ARD-Seriendauerbrenner «Lindenstraße» hat in den…   ...mehr

DFL-Geschäftsführer: Immer mit bester Elf zum FC Bayern

München (dpa) - Falls Bundesligisten künftig nicht mit ihrer stärksten Mannschaft zu Auswärtsspielen…   ...mehr

Kerber beim WTA-Turnier in Montreal im Halbfinale

Montreal (dpa) - Wimbledon-Finalistin Angelique Kerber hat beim WTA-Turnier in Montreal problemlos das…   ...mehr

«Herr, vergib uns»: Papst setzt in Auschwitz stille Zeichen

Krakau (dpa) - Papst Franziskus hat im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz in aller Stille…   ...mehr

Bayer-Sportchef Völler: «Abstand zu Dortmund verkürzen»

Kaprun (dpa) - Rudi Völler sitzt entspannt auf der Bank, genießt die Sonnenstrahlen und schaut dem…   ...mehr

Rosberg Schnellster auch im zweiten Training

Hockenheim (dpa) - Vor nur spärlich besetzten Rängen hat Nico Rosberg ein klares Ausrufezeichen gesetzt…   ...mehr

CSU unterstellt Merkel indirekt «Blauäugigkeit»

Berlin/Gmund (dpa) - In der CSU-Spitze regt sich Widerstand gegen die Analyse von Bundeskanzlerin Angela…   ...mehr

Löw dankt Schweinsteiger: Reaktionen zum Rücktritt

Berlin (dpa) - Die Deutsche Presse Agentur hat die Reaktion zum Schweinsteiger-Rücktritt aus der Nationalmannschaft…   ...mehr
SPOT(T) »

Unausgereift

Selbstfahrende Autos, die ohne Fahrzeuglenker, Maschinist und Kontrolleur über… ...mehr

Tierisch

Dass es in den USA kuriose Gesetze gibt, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.… ...mehr

Krabbel

Eine fast biblische Mottenplage mussten am Sonntag die Spieler von Portugal… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG