Bericht: Ältere Herren dominieren Aschermittwoch
Passau/Vilshofen (dpa) - Es war ein Politischer Aschermittwoch der älteren und eher zurückhaltenden Herren. Die CSU lässt in Passau ihren früheren Parteichef Edmund Stoiber den Geist des vor 23 Jahren gestorbenen Landesvaters Franz Josef Strauß beschwören.
Wenige Kilometer entfernt macht SPD-Spitzenkandidat Christian Ude in Vilshofen Bayerns Sozialdemokraten Mut für den so sehr herbeigesehnten Machtwechsel im Freistaat, den die Wahl 2013 bringen soll.
Die gebeutelte FDP wiederum, die sich bei der Kür des Bundespräsidentenkandidaten gegen die Kanzlerin durchsetzte, betont die eigene Stärke und ihren Wunsch, bei den kommenden Landtagswahlen nicht aus Parlament und Regierung zu fliegen. An Selbstbewusstsein mangelte es keinem der Lokalmatadore oder den aus Berlin eingeflogenen Gastprominenten. Seit 60 Jahren wird am Aschermittwoch in Niederbayern auf den Gegner mit Lust eingedroschen.
«Ich habe nur zwei Jahre Lebenserfahrung mehr - aber ich finde, das merkt man auch», ruft Münchners Oberbürgermeister Ude in das übervolle Festzelt, dass die SPD wegen des Riesenandrangs extra hatte aufbauen lassen. Er meint CSU-Chef Horst Seehofer, der kurz vorher in Passau sich, Bayern und die CSU gelobt hatte: «Es gibt nicht nur rechts oder links, es gibt auch oben oder unten. Wo wir sind, ist oben.»
Ansonsten hielt sich Seehofer angesichts seiner Doppelrolle als geschäftsführendes Staatsoberhaupt mit Attacken zurück. «Sie können sich denken, wie schwer das fällt», räumt er ein. Für die Attacke war bei der CSU Edmund Stoiber eingeplant. Die Mitbewerber haben für dessen Auftritt aber nur Spott übrig. Der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, vergleicht ihn mit einem ausgestorbenen Urvogel und macht sich Sorgen: «Wenn der Archaeopteryx aus Wolfratshausen die CSU wieder aufrichten soll, muss sie wahrlich auf dem Boden liegen.»
Stoiber ficht das alles nicht an. «Ich stehe ja nicht mehr auf dem Spielfeld. Ich sitze auf der Tribüne.» Überrascht sei er gewesen, als man ihm um die Rede bat. «Das können Sie sich ja vorstellen.» Dann habe er aber begeistert zugesagt. Gut eine Stunde spricht Stoiber - vor allem von den vergangenen Jahrzehnten, der Regierungszeit von Strauß, seiner eigenen und von dem großen Erfolg, den Bayern deswegen habe. Auch deshalb fällt das Fernduell zwischen SPD und CSU am Ende zahmer aus, als von vielen Anhängern erhofft - obwohl CSU-General Alexander Dobrindt am Schluss noch ein paar herbe Attacken reitet.
In Vilshofen nutzte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Gelegenheit für Angriffe auf Schwarz-Gelb. Und wieder spielt ein älterer Herr die Hauptrolle, diesmal Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck. SPD, Grüne und FDP konnten die Freude über den Kandidatentriumph gegen die Union nicht verbergen. Gabriel spottet, die CSU habe sich von einem Tag auf den anderen umentschieden. «Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?» Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im Landtag, haut in die gleiche Kerbe: «Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann.»
Seehofer nimmt es gelassen. Was er schon alles gewesen sei: Bundesgesundheitsminister, Bundeslandwirtschaftsminister, Parteichef, Ministerpräsident und nun für einen Monat Staatsoberhaupt. «Für einen der angeblich nicht weiß, was er will, eine ganz schöne Karriere.»
Die FDP sonnt sich derweil in ihrem Gauck-Kandidatenglück: «Wenn man uns droht, lassen wir uns davon nicht einschüchtern, sondern wir werden nur noch größer», sagt Parteichef Philipp Rösler. Die FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bremst ihn etwas: «Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde.» Für die Linken ist die Kür von Joachim Gauck ein «Skandal», wie Fraktionschef Gregor Gysi in Tiefenbach sagt.