Der ehemalige Werkbrandmeister Heinz Markwart auf der 42 Meter hohen ehemaligen Ölsandhalde in Wietze. Foto: Alex Sorokin

Großfeuer bedroht Wietze und Umgebung Gefährlicher Einsatz im Oktober 1959

Der Wietzer Heinz Markwart (83) war im Jahr 1959 als Werkbrandmeister bei der hauptberuflichen Werksfeuerwehr der DEA beschäftigt. Noch gut kann er sich an den großen Brand vom Oktober 1959 erinnern. Zusammen mit seinen Kollegen half er, das Feuer zu löschen. Er selbst hat seine Erlebnisse niedergeschrieben.

Um im Alter noch einigermaßen fit zu bleiben, mache ich hin und wieder einen Spaziergang zu der ehemaligen Ölsandhalde der Deutschen Erdöl-AG (DEA) in Wietze. In 42 Metern Höhe hat man eine schöne Aussicht über Wietze und Umgebung. Auffällig ist der reichhaltige Bestand an Kiefernwäldern im Umkreis.

Bei der Betrachtung fällt mir sofort das Jahr 1959 ein – das Jahr der Waldbrände und der Trockenheit. Bis heute habe ich so etwas noch nicht wieder erlebt. Zu der Zeit war ich als Werkbrandmeister bei der hauptberuflichen Werksfeuerwehr der DEA beschäftigt. Unsere Ausrüstung bestand aus einem LF (Löschfahrzeug) 16 älterer Bauart und einem im Jahr 1958 neu erworbenen TLF 16 T (Tanklöschfahrzeug mit 1600 Litern Pumpleistung, einer Besatzung von drei Mann und einem Wasservorrat von 3000 Litern. Unsere Arbeitszeit wurde nach dem Erwerb des TLF von einem Drei-Schichtbetrieb (je vier Mann) auf Zwei-Schichtbetrieb (je vier Mann) umgestellt. Auf 24 Stunden Dienst folgten dabei 24 Stunden Freizeit.

Wachstand auf
Ölsandhalde

Bei der Bekämpfung eines Waldbrandes ist es wichtig, schnell an Ort und Stelle zu sein, um eine Ausbreitung zu verhindern. Darum wurde auf der Ölsandhalde in Wietze ein Waldbrandwachstand errichtet. Wir hatten dort einen runden Messtisch mit Lagekarte und einen drehbaren Peilstab. Der Mann dort oben war per Telefon mit der Feuerwache unten verbunden. Sobald eine Rauchwolke zu sehen war, wurde sie angepeilt, lokalisiert und es wurde die Werksfeuerwehr alarmiert. Bei Bränden im näheren Umkreis (etwa zehn Kilometer) konnten wir sofort ausrücken, aber bei weiter entfernten Bränden mussten wir die Genehmigung der Werksleitung einholen. Bei Meldung eines Brandes begann sofort der Einsatz. Gleichzeitig wurde per Sirene auch die freiwillige Feuerwehr alarmiert, damit nach unserem Einsatz eine Brandwache gestellt werden konnte.

Dank des frühen Erkennens eines Brandes und der schnellen Alarmierung der Werksfeuerwehr konnten viele Brände gelöscht werden, bevor sie sich weiter ausbreiteten. Möglich war das nur, weil wir mit unserem TLF 16 T mit Schnellangriffseinrichtung und einem Wasservorrat von 3000 Liter sofort tätig werden konnten.

Weil sie früh erkannt worden waren und die Werkfeuerwehr früh informiert wurde, konnten viele Brände gelöscht werden, bevor sie sich weiter ausbreiteten. Möglich war das aber nur, weil wir mit unserem TLF 16 T mit Schnellangriffseinrichtung und einem Wasservorrat von 3000 Litern sofort in Aktion treten konnten.

In der Zeit vom 11. Mai bis 15. Oktober 1959 haben wir 21 Brände gelöscht. Das waren Brände in den Gemarkungen Wietze, Wieckenberg, Hornbostel, Winsen, Ovelgönne und Hambühren, wo wir ohne Genehmigung sofort ausrücken konnten.

Für weiter entfernte Waldbrände, für die wir angefordert wurden, hatten wir vom 22. Juni bis 21. Oktober 1959 zehn Einsätze. In diesen Fällen mussten wir die Genehmigung der Werksleitung einholen.

Bei dem letzten Brand im Jahr 1959 war es so trocken geworden, dass es nicht nur am Tage, sondern auch nachts weiter brannte. Im Gasthaus C. Bach (heute Hotel „Zur Heideblüte“) in Ovelgönne war die Einsatzleitung (Kreisbrandmeister, Oberkreisdirektor und Forstbeamte) eingerichtet worden. Das in der Nähe gelegene Strandbad diente uns als Löschwasservorrat. Dort wurden von den freiwilligen Ortswehren Schlauchleistungen zur Straße gelegt, wo dann die TLFs, die vom Einsatz kamen, wieder vollgetankt wurden.

In der Nacht vom 18. und 19. Oktober breitete sich das Feuer in Richtung Nord-West aus. Es brannte im Bereich Hambühren, Ovelgönne, Rixförde und Wietze. Da sich das Feuer einer großen trockenen und dichten Schonung näherte, die direkt an die B 214 zwischen Ovelgönne und Wietze grenzte, wurden sämtlichen TLFs zur Bundesstraße beordert. Es wäre zu gefährlich gewesen, den Brand im Wald selbst zu bekämpfen. Alle etwa 30 vorhandenen TLFs wurden in gleichen Abständen auf der B 214 in Stellung gebracht. In den Lücken postierten sich Feuerwehrmänner und Helfer mit Löschgeräten und Spaten. So standen alle in der Nacht auf der Straße und warteten auf das Feuer. Es musste unbedingt verhindert werden, dass die Flammen die B 214 überquerten, denn auf der Nordseite war auch Wald, der sich bis Oldau, Winsen, Wietze und Hornbostel erstreckte. Nachdem das Feuer die Schonung erreicht hatte, breitete es sich sehr schnell aus.

Gewaltige Feuerwand mit Funkenflug

Es kam eine gewaltige Feuerwand mit Funkenflug auf uns zu, angetrieben von einem trockenen Herbststurm. Die Besatzungen aller Tanklöschfahrzeuge begannen gleichzeitig, zu löschen. Es gelang uns, auch den Brand am Boden zu stoppen, aber durch den Funkenflug entzündete sich das trockene Laub der Ahornbäume an der Bundesstraße und wurde glühend zur anderen Straßenseite geweht. Zum Glück waren dort die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren, Soldaten und private Helfer zur Stelle. Dadurch wurden kleine Brände gelöscht, bevor sie sich weiter ausbreiten konnten. Wir hatten Erfolg und konnten den Brand an der Südseite der B 214 stoppen. Allerdings breitete sich das Feuer südlich der B 214 in Richtung Wietze weiter aus.

Nachdem wir von 13 Uhr am 18. Oktober bis vier Uhr morgens am 19. Oktober 15 Stunden lang im Einsatz waren, kehrten wir vollständig erschöpft zur Feuerwache zurück. Die Kameraden vom Trupp 2 übernahmen dann das Fahrzeug, tankten am Hydranten Löschwasser und rückten zur weiteren Brandbekämpfung aus. Sie waren bis 21 Uhr im Einsatz.

Wir vom Trupp 1 waren dann am 20. Oktober und der Trupp 2 am 21. Oktober jeweils zehn Stunden am Einsatzort Ovelgönne/Wietze im Einsatz und konnten den Brand etwa drei Kilometer vor Wietze zum Stehen bringen.

Die Einsätze waren sehr gefährlich. Mal gab es „ruhige“ Brände, dann wieder plötzlichen Feuersturm bis in die Baumkronen. Wir mussten zweimal die Löscharbeiten abbrechen und fliehen. Einmal stand der Rückweg in Flammen, denn das Feuer hatte uns seitlich umgangen. Zum Glück standen die Bäume weit genug auseinander, denn wir mussten quer durch den Hochwald fahren, um einen anderen Fluchtweg zu erreichen.

Beim zweiten Mal drehte sich der Wind zu uns. Die Flammen schlugen bis in die Wipfel der Bäume und der Rauch war so stark, dass wir nichts mehr sehen konnten. Da gab es nur noch eins: Flüchten. Zum Glück waren wir vorsichtig. Wir hatten immer das Fahrzeug vor den Löscharbeiten gewendet und rückwärts vor dem Feuer in Stellung gebracht.

Am 22. Oktober 1959 fing es dann endlich an zu regnen – zwei Wochen lang. Damit war das Thema Waldbrand erledigt. Ich habe bis heute nie wieder ein so trockenes Jahr erlebt. Von Pfingsten bis zum 21. Oktober 1959 hatten wir keinen Regen.

Rückblick auf
Brandkatastrophe

Nun stehe ich wieder auf der Ölsandhalde und denke an die Waldbrandkatastrophe vor 54 Jahren. Eine herrliche Aussicht, ringsum friedliche Wälder und zum Glück keine Rauchwolke. Aber in der heutigen Zeit hat sich zu im Vergleich damals viel verändert. Fast alle Freiwilligen Feuerwehren sind mit Tanklöschfahrzeugen ausgerüstet. Damals waren nur bei Berufsfeuerwehren, beim Bund, in Städten, bei größeren Gemeinden und bei hauptberuflichen Werkfeuerwehren TLFs vorhanden. Wir hatten noch keinen Sprechfunk und Handys kannten wir natürlich auch nicht.

Geblieben ist die 42 Meter hohe Ölsandhalde, die uns heute als Aussichtsturm einen wundervollen Panoramablick beschert.

Heinz Markwart

Autor: Heinz Markwart, geschrieben am: 08.11.2013       Artikel drucken