Zwei Pferde gehen im Kreis und treiben ¸ber den Gˆpel die Breitdreschmaschine im Hintergrund an. Foto: Lothar H. Bluhm

Der Göpel dreht sich noch immer

Mit sieben bis acht Aktionstagen im Jahr zieht das Dorfmuseum Langlingen über 2000 Besucher an. Auf dem Gelände sind fünf zum Teil historische Gebäude und ein interessanter Kräutergarten untergebracht. Und mit der Göpel auf der Freifläche.

LANGLINGEN. Rolf Meyer ist noch immer ganz begeistert: Mit dem Langlinger Müllermeister Helmut Berndt fuhr das Vorstandsmitglied des Förderkreises Dorfmuseum Langlingen im Sommer 1992 mit dem Auto nach Czarne in der Woiwodschaft Pommern in Polen, nahe der Ostseeküste. Dort war Berndt geboren, dort hatte er sich schon mehrfach aufgehalten und den Göpel entdeckt. Diesen Göpel wollten die beiden ehrenamtlich engagierten Männer aus dem Celler Ostkreis für das Dorfmuseum abholen.

Ein Göpel ist eine kreisförmige Vorrichtung, um eine Antriebskraft zu erzeugen. 1,20 Meter ist der Durchmesser des gusseisernen zentralen Zahnrades, das durch Pferdestärken oder Ochsenkraft gedreht werden kann und an dessen Getriebe Antriebswellen installiert werden können, die eine Dreschmaschine oder auch einen Häcksler in Bewegung setzen. Das Geschirr der Pferde wird an den 4,30 Meter langen Balken eingehakt, bevor das Kommando gerufen wird und sich die zwei Pferde im Kreis mit einem Durchmesser von 8,60 Metern bewegen.

Die kräftigen Rundhölzer, die mit eingehakten Eisenstangen untereinander verbunden sind, wurden mit dicken Schrauben auf dem großen grünen Gusseisen-Zahnrad befestigt.

Und eben diesen Göpel haben die Vereinsmitglieder Berndt und Meyer in Czarne auf einen Anhänger verladen und über die Grenze nach Langlingen transportiert. „Alles legal“, unterstreicht Meyer die Aktion, denn die Verwaltung der polnischen Kleinstadt hat dem Transport zugestimmt und sich für ein problemloses Passieren der Grenze eingesetzt. „Gefunden, organisiert und die Abholung vorbereitet hat ausschließlich Helmut Berndt. Ich habe lediglich das Auto gefahren, um das Gerät abzuholen“, betont Meyer.

1991 gab es Kontakte zwischen Langlingen und Czarne, beide Orte sind inzwischen Partnergemeinden. Helmut Berndt ist mittlerweile verstorben, er war aber über Jahre die treibende Kraft für die Entwicklung der Partnerschaft.

„O Mensch bedencke das Ende so wirst u nimer Ubels tun“, lautet der Spruch am Göpelhaus auf dem Außengelände des Dorfmuseums. 1993 wurde das Fachwerkgebäude errichtet. Und seither rückt der Göpel immer wieder in den Mittelpunkt des Interesses der zahlreichen Besucher.

Für den Vorsitzenden des Förderkreises, Hans-Heinrich Surborg, bedeutet der Göpel ein ganz wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Dorfmuseums Langlingen. „Mir ist nicht bekannt, dass irgendwo im Kreis ein funktionierender Göpel existiert. Damit dreschen und häckseln wir während unserer Aktionstage.“ Man versuche im Museum immer, die Besucher auch an Sachen heranzuführen, um zu zeigen, wie die Welt damals war: „Der Förderkreis hat sich zur Aufgabe gemacht, mit den ausgestellten Exponaten auch praktisch zu arbeiten und in Vorführungen zu zeigen, wie mühselig sich unsere Vorfahren plagen mussten, bis vom gewachsenen Flachs ein Stück Leinenstoff entstand.“

Natürlich sind während der Aktionstage der Speicher, das Göpelhaus, die Diele, das Greithen-Hus, die Station 7 und der Kräutergarten geöffnet.

In diesem Jahr sind noch drei Aktionstage geplant:

12. August: Landwirtschaftliche Großmaschinen

9. September: Führung durch das Museum zum Tag des offenen Denkmals

7. Oktober: Erntedankfest.

„Dann sind alle Stationen besetzt und der Göpel im Einsatz“, sagt Surborg. „Alle Aktionstage laufen von 13 bis 17 Uhr“, lädt der Vorsitzende ein.
Dorfmuseum Langlingen

Hauptstraße 44

29364 Langlingen

Führungen können telefonisch unter (05082) 1656

vereinbart werden;
www.Dorfmuseum.
Langlingen.de

Autor: Lothar H. Bluhm, geschrieben am: 16.07.2012       Artikel drucken