Mannschaft mit Geschütz vor der Artillerie-Kaserne an der Hannoverschen Straße. Foto: Antiquariat Cellensia

Infanterie und Artillerie am Standort Celle (1914)

Die Stadt Celle ist seit dem Dreißigjährigen Krieg mit stationierten Soldaten belegt. Im Juli 1914 sind es vor allem zwei Formationen, denen Celle als Garnison dient. In der ehemaligen Kavallerie-Kaserne der Cambridge-Dragoner (heute CD Kaserne) ist die zweite Abteilung des Niedersächsischen Feldartillerie-Regiment Nr.46 untergebracht. Darum wird die Kaserne an der Hannoverschen Straße Artillerie-Kaserne genannt.

Bis zu 1200 Fußsoldaten bietet hingegen die 1872 fertiggestellte große Infanterie-Kaserne (heute Neues Rathaus). Stationiert ist hier das Königlich Preußische 2. Hannoversche Infanterieregiment Nr. 77, das von Cellern gerne auch kurz „77er“ genannt wird. Bis zur Fertigstellung der Kaserne sind die Soldaten teilweise bei Celler Bürgern einquartiert und zwei Bataillone liegen vorübergehend in Hannover und Oldenburg. Das Offizierskasino wird 1876 und das Lazarett (heute Gesundheitszentrum) 1878 errichtet. Die Bildung eines vierten Bataillons der 77er macht 1893 einen Erweiterungsbau am Weg nach Burg nötig. Die sogenannte Burgkaserne ist anfangs ein reines Barackenlager, wird aber stetig ausgebaut. Heute befindet sich hier das Schulzentrum Burgstraße.

Üben können die Soldaten des Regiments auf dem Exerzierplatz vor der Kaserne. Es existieren aber auch Übungsplätze außerhalb der Stadt, bei Klein-Hehlen, Scheuen, Lachendorf und Schießstände im Neustädter Holz. Beim reichsweiten Vergleichsschießen gewinnen die 77er fünfmal das Kaiserabzeichen und gelten als gute Schützen.

Moderne Waffen werden auch auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd erprobt. Hier bekommen ab 1908 einige 77er Unterricht am Maschinengewehr. Eine eigene Maschinengewehr-Kompanie stellen die 77er 1911 auf und errichten dafür neue Gebäude an der großen Infanteriekaserne (heute Städtische Wohnungsbau GmbH).

Ein letztes Kasernengebäude für zwei zusätzliche Kompanien wird noch 1914 fertiggestellt (heute Jugend- und Sozialamt). Mit den Bürgern der Stadt gibt es mehr als nur räumliche Nähe. Das Regiment rekrutiert sich auch aus den jungen Männern der Umgebung, sodass es familiäre Verbindungen gibt. Stadt und Regiment sind in ihrer Geschichte eng verbunden. (flf)

Autor: Florian Friedrich, geschrieben am: 30.07.2014       Artikel drucken