Karl Kuhls ist auch im Dorfmuseum Langlingen aktiv. Er stellt sein Dorf mit Gut, Schleuse und Kirche vor. Seine Frau ordnet die letzten Ähren an der Erntekrone. Foto: Lothar H. Bluhm (6)

Acht Höfe sind in Langlingen geblieben

Urgestein Karl Kuhls weiß über „sein“ Langlingen bestens bescheid. Er kennt Land und Leute in dem Ort, der 1257 urkundlich erwähnt wurde.

LANGLINGEN. Rita Kuhls ist ganz zufrieden: Sie hat mal wieder eine Erntekrone gebunden. Aus Roggen-, Hafer- und Weizenähren hat sie die Fruchtstände arrangiert. „Das mussten schon schöne Ähren sein“, sagt die Langlingerin und lobt ihren Mann, der ihr bei der Auswahl geholfen hat. Ob beim Flachsen, Spinnen oder Erntekronen binden – seine Frau ist immer dabei. Auch im Dorfmuseum.

Das habe nun gerade Jubiläum gehabt und zeige, wie sich Handwerke und Landwirtschaft ständig wandeln.

Aus den für die Fläche Langlingens sehr vielen 43 Hofstellen – Vollhöfe, Kötner, Brinksitzer und Ab- und Abbauern – sind im Laufe der Jahre nur noch acht Betriebe geblieben. Milchkühe, Schweine und Puten werden gehalten. 1257 ist der Name Langlingen erwähnt. Er habe sich aus Lange Lage oder Lange Siedlung entwickelt, meint Karl Kuhls, der seinen Rundgang an dem 1971 erneuerten Allerwehr beginnt. „Hier wird der Mühlgraben abgezweigt, der in Wienhausen das Wasserrad antreibt.“ Die Aller sei im Laufe der Zeit reguliert und die Dämme seien kontinuierlich erhöht worden. Der so genannte Franzosengraben trage mit zur Entwässerung der tief liegenden Flächen bei.

Auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks ist heute der Edeka-Markt. „Der ist ganz wichtig für Langlingen, denn hier trifft man sich beim Einkaufen und kann klönen“, sagt Kuhls. Er ist froh, dass es auch noch einen Bäcker und einen Schlachter im Ort gibt. „Das ist eine der ältesten Hofstellen im Ort. Sie ist von 1659 und liegt in der Dorfmitte“, sagt Kuhls und deutet auf Haus Nummer 42: Hier stehen alle Häuser etwas erhöht.“

Ein wenig versteckt befindet sich das Spörckensche Gut. Einige Familienoberhäupter von Spörcken sind über Generationen in der kleinen Kirche verewigt. Die Gutsherren hatten einen eigenen Zugang zur Kirche. Seit 1799 befindet sich das Gut im Besitz der Familie Mylius. Der Mittelteil des Kirchenschiffes ist von 1340 und Küsterin Angelika Scholz weiß, dass das Gotteshaus jetzt mit Nahwärme aus einer Biogasanlage beheizt wird. Tradition und Fortschritt begegnen sich.

Autor: Lothar H. Bluhm, geschrieben am: 16.09.2014       Artikel drucken