Heinrich Rostalski Foto: Lothar H. Bluhm

Heinrich Rostalski aus Großmoor liegt seine Heimat am Herzen

Der 81-jährige Großmoorer Heinrich Rostalski hat viel Zeit für die Allgemeinheit aufgewendet. Der Schmiede- und Landmaschinenmechanikermeister engagierte sich unter anderem in der Feuerwehr, der Politik und beim Gemischten Chor. Besonders lag ihm die Infrastruktur seiner Heimat am Herzen - auch dafür setzte er sich ein. Als Ergänzung zum neuen Dorfladen verkauft er noch die Bestände des Einzelhandels, den seine Frau Elfriede 58 Jahre lang führte.

In dem geräumigen Treppenaufgang seines Hauses hat Heinrich Rostalski praktisch seinen Lebenslauf an den Wänden verewigt. Alle Stationen seines Lebens, ob privat, beruflich, bei der Feuerwehr oder in den Vereinen, sind in Fotos, Bildern, Urkunden und anderen Unterlagen genau dokumentiert. „Da werde ich schon noch einen Platz finden“, ist er zuversichtlich, dass er den großen Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade aufhängen kann. Der moderne goldene Rahmen ziert die überdimensionale Urkunde, die der 81-Jährige kürzlich vom Geschäftsführer der Celler Handwerkskammer ausgehändigt bekommen hat und die bestätigt, dass er seit über 50 Jahren Schmiede- und Landmaschinenmechanikermeister ist. „Darauf bin ich schon ein bisschen stolz“, sagt der Großmoorer, der Land und Leute kennt und der bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde.

Stolz ist Rostalski auch darauf, dass im Celler Bomann-Museum Exponate von ihm zu sehen sind: Zwei Meisterstücke, vier Gesellenstücke, ein Arbeitsspind, eine Arbeitsjacke aus Baumwolle und ein Ballhammer sind im Bereich der Dauerausstellung zu dem Thema „Leistung, Streik und Gastarbeit – Perspektiven der Arbeit“ ausgestellt.

Meisterstück wurde Opfer der Bürokratie

Zu seinem Meisterstück, einem Hinweisschild zur Meisterschule des Schmiedehandwerks, erzählt Heinrich Rostalski gern eine Anekdote. Über 30 Jahre lang stand das Meisterstück am Straßenrand vor der Meisterschule in Lüneburg. Bis ein Radfahrer dagegenfuhr. „Da entwickelte sich komplett die deutsche Bürokratie, denn das Schild war nicht genehmigt und es durfte da nicht stehen“, sagt Rostalski mit einem Schmunzeln. Also wurde es ausgegraben und an ihn als Hersteller übergeben. Der verwahrte das Meisterstück sorgfältig und konnte es vor einiger Zeit dem Bomann-Museum vermachen.

Eigentlich hätte er nach den Vorstellungen seiner Ausbilder im Anschluss an die Meisterprüfung Gewerbelehrer an einer Berufsschule werden sollen. „Da hätte ich dann vier Semester in Wilhelmshaven studiert. Aber das konnte ich nicht, denn mein Vater brauchte mich im Betrieb“, erinnert er sich an das Angebot, das er als 22-Jähriger erhielt. „Ach, das war schon gut so“, findet er heute.

Unternehmen
umstrukturiert

So konnte er das Unternehmen, das sein Vater 1928 aufbaute, weiterentwickeln und später auch umstrukturieren. Mit 24 Jahren übernahm er den Schlosserei- und Landmaschinenbetrieb und den Einzelhandel mit Haushalts- und Eisenwaren und Fahrrädern. „Später kamen Textilien und Schulbedarf hinzu und die Sparkasse eröffnete eine Filiale.“

Diesen Einzelhandel betrieb über 58 Jahre seine Frau Elfriede, mit der er drei Kinder hat. „Alle drei machten ihr Abitur und absolvierten ihre Hochschulausbildung.“ Mit einem Abverkauf hat Rostalski auch heute noch montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr zu tun. „Wie viele Artikel wir hier haben, kann ich gar nicht einschätzen, aber wir verkaufen alles weit unter Preis“, sieht Rostalski sein Warenangebot als Ergänzung zu dem nebenan neu eröffneten Dorfladen.

Vom Bleikristallpokal über Brotkörbe und Pfeffermühlen bis hin zu Arbeitshosen, bunten Röcken und unifarbigen Blusen finden interessierte Kunden fast alles. „Die Vorstellungen der Kunden haben sich im Laufe der Jahre doch ganz schön gewandelt“, stellt Rostalski immer wieder fest. „Was einem früher wertvoll und kostbar war, ist heute nahezu unverkäuflich.“ Manche Kunden kommen bewusst in den Laden und suchen ganz gezielt nach Besonderheiten.

„Früher hatten wir hier in Großmoor drei Gaststätten, drei Lebensmittelläden und zwei Bäckereien – die sind alle weg“, bedauert der Großmoorer die Entwicklung. Dabei legt er schon immer großen Wert auf eine gute Infrastruktur. Schon früh hat er sich für die Einrichtung eines Kindergartens eingesetzt. „Da haben wir uns um alle Familien mit Kindern bemüht. Auch aus Ehlershausen kamen Kinder zu uns“, sagt Rostalski.

Als Verbesserung sieht Rostalski auch die Einrichtung des Dorfladens. „Die Infrastruktur lag uns immer am Herzen“, sagt er und zeigt auf die fünf dicken Ordner mit Schriftverkehr, Unterschriftensammlungen, Hilfeschreien und Eingaben zu der Schlecker-Filiale. „Zwar konnten wir 2008 aufgrund unserer gemeinschaftlichen Initiative und einer Umsatzsteigerung die Schließung vermeiden – aber dann kam die Schlecker-Pleite und das Ende des Ladens.“

Umso schöner sei jetzt die Beteiligung an dem Programm „Unser Dorf hat Zukunft“: „Das sollte voll ausgenutzt werden. Ich sehe deshalb die Entwicklung für unser Dorf sehr positiv und schon jetzt spürt man, dass Adelheidsdorf und Großmoor mehr zusammenwachsen.“

Schon als Mandatsträger in der früheren Gemeinde Großmoor und dann in Adelheidsdorf und zuletzt in der Samtgemeinde Wathlingen hat sich Rostalski für Infrastrukturmaßnahmen eingesetzt. Insgesamt saß er 23 Jahre in den Ratsgremien. Außerdem hat er als Brandmeister der Feuerwehr dafür gesorgt, dass der vorbeugende Brandschutz erste Priorität hat.

Wenn man das jahrelange ehrenamtliche Engagement Rostalskis addiert, kommen über 380 Jahre zusammen. Von der Feuerwehr über berufliche und kommunale Mandate bis hin zur Tätigkeit als Schöffe oder als Sänger im Gesangverein. Auch heute noch ist das Gründungsmitglied des Gemischten Chores als Kassenwart aktiv – seit 61 Jahren.

Zu seinem 70. Geburtstag hat sich Rostalski einen Computer und eine Digitalkamera gekauft. Da hat er Kurse bei der Volkshochschule belegt und inzwischen 18.000 Bilder gemacht, bearbeitet und archiviert. „Da muss ich jetzt auch weitermachen“, hat er den Ratschlag seines Sohnes im Ohr.

Autor: Lothar H. Bluhm , geschrieben am: 20.01.2015       Artikel drucken