Nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen muss sich die Celler Montessori-Schule derzeit einem strengen Genehmigungsverfahren unterziehen. Foto: Benjamin Westhoff

Celler Montessori-Schule muss Konzept ändern

"Die Landesschulbehörde möchte auf jeden Fall, dass die Montessori-Schule in Celle erhalten bleibt und alles wieder in geordneten Bahnen läuft." Diesen Eindruck hatten Anfang Juni Schülereltern von einer Versammlung mitgenommen, zu der eine Initiative eingeladen hatte, die "die Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen an der Montessori-Schule" fordert. Der Weg dürfte steinig werden. Nach den jüngsten Vorkommnissen an der freien Bildungseinrichtung in Klein Hehlen werden derzeit die Genehmigungsvoraussetzungen durch die Landesschulbehörde genau geprüft.

CELLE. Die Schule hatte für negative Schlagzeilen gesorgt, weil kritischen Eltern aus "pädagogischen Gründen" im April fristlos die Schulverträge gekündigt wurden. Die Folge: Mitten im Schuljahr wurden die Kinder dieser Eltern faktisch aus der Schule geworfen. Die lange währenden Auseinandersetzungen waren eskaliert, als herauskam, dass der Trägerverein der Montessori-Schule bei der Landesschulbehörde einen anderen Schulleiter gemeldet hatte, als den Eltern mitgeteilt worden war.

„Die Niedersächsische Landesschulbehörde schaut sich derzeit die Montessori-Schule in Celle ganz genau an. Die Schule wurde besichtigt, Berichte und Nachweise sind angefordert worden und werden derzeit ausgewertet. Alles Weitere ergibt sich aus der Prüfung dieser Unterlagen", sagte Sebastian Schumacher, Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums.

Welche Rolle die jüngsten Verfehlungen der Schule und des Trägervereins, sprich die obskuren Schulverweise und die Nennung des vermeintlichen Schulleiters, dabei spielen, lässt sich nur schwer ergründen. Eine Stellungnahme zu dem Umstand, dass die Landesschulbehörde in letzterem Fall offensichtlich hinters Licht geführt wurde, gibt es nicht.

Trotz zweifelhafter Kündigungsgründe im Schulvertrag zwischen Eltern und Trägerverein wie "illoyales Verhalten" der Erziehungsberechtigten, halten Landesschulbehörde und Kultusministerium die getroffenen Vereinbarungen zwischen den beiden Parteien für deren Privatsache. Hermann Palm, Mitglied des Senats des Landesrechnungshofes und als Abteilungsleiter der Behörde zuständig für Schulen, vertritt eine andere Auffassung: "Die Verträge müssen sicherstellen, dass die Kinder ordnungsgemäß beschult werden können. Wenn solche Klauseln dies konterkarieren, muss die Landesschulbehörde einschreiten und sagen, dass solche Verträge nicht akzeptiert werden."

Zu den Unterlagen, die die Montessori-Schule nun der Landesschulbehörde vorlegen muss, gehört unter anderem der Nachweis zur Qualifikation der Lehrkräfte. Hintergrund: An Freien Schulen, wie auch der Celler Montessori-Schule, arbeiten oft Lehrer, die über kein abgeschlossenes Lehramtsstudium oder lediglich über einen anderen Studienabschluss verfügen. Der Landesrechungshof (siehe Artikel unten) hatte moniert, dass lediglich bei Schulgründung die Qualifikation der Lehrer überprüft werde. Das Kultusministerium will prüfen, ob wieder regelmäßige Kontrollen eingeführt werden.

Verabschieden muss sich die Celler Montessori-Schule von einem Kernpunkt des pädagogischen Konzepts. Der Landesrechnungshof hatte in seinem aktuellen Jahresbericht kritisiert, dass sich der jahrgangsübergreifende Unterricht an einigen Schulen auch über die Grundschule und Sekundarstufe erstreckt. Dies ist auch an der Celler Montessori-Schule der Fall, wo Kinder der Jahrgangsstufen 4 bis 6 gemeinsam unterrichtet werden. Damit ist es künftig vorbei.

"Der Trägerverein hat zunächst eine Grundschule, später eine Realschule genehmigt bekommen. Auch wenn Grundschulen mit Realschulen organisatorisch zusammengefasst werden können, handelt es sich hier um unterschiedliche Schulformen. Sofern Schüler der Jahrgangsstufe 4 mit solchen der Realschule gemeinsam unterrichtet werden sollten, wird von der Landesschulbehörde sichergestellt, dass solches künftig unterbleibt", so die Auskunft des Kultusministeriums, die auch noch andere Schule betreffen dürfte.

Autor: Gunther Meinrenken, geschrieben am: 19.06.2015       Artikel drucken