Tag der offenen Tür in der Montessori Schule Celle Foto: Benjamin Westhoff

Nur noch 19 Grundschüler an Celler Montessori-Schule

Rausgeflogen beim Tag der offenen Tür. Das kann bei der Celler Montessori-Schule leicht passieren, wenn man zu unbequeme Fragen stellt. Am Mittwoch hatte die Freie Schule die Öffentlichkeit eingeladen, um sich ein Bild von der Einrichtung zu machen. CZ-Redakteur Gunther Meinrenken wollte sich vor Ort nach dem aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens für den Schulbetrieb erkundigen. Nach acht Minuten setzte Simone Hattendorf, Mitglied der kollegialen Schulleitung, den Fragen ein Ende: "Ich möchte von meinem Hausrecht Gebrauch machen", sagte sie und setzte den CZ-Redakteur vor die Tür.

CELLE. Damit erging es Meinrenken ähnlich wie einigen Eltern im Frühjahr dieses Jahres. Da hatte der Trägerverein der Schule kurzerhand die Verträge mit den Erziehungsberechtigten gekündigt, weil diese kritische Nachfragen zur Person des damaligen Schulleiters gestellt hatten. Die Folge: Mitten im Schuljahr flogen die Kinder der aufmüpfigen Eltern von der Schule. Ein Vorgang, der in der Republik seinesgleichen suchen dürfte. Die Konsequenz: Die Landesschulbehörde prüfte die Genehmigung der Schule.

Nach Auskunft von Hattendorf am Mittwoch sei das Verfahren bereits abgeschlossen, die Genehmigung zur Fortführung des Schulbetriebes erteilt worden. Davon weiß man bei der Landesschulbehörde allerdings nichts. "Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Da eine Rücknahme der Genehmigung bisher nicht erfolgt ist, darf die Schule ihren Betrieb selbstverständlich fortführen", so Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Unter anderem untersucht die Landesschulbehörde, ob die Lehrkräfte über die notwendige Qualifikation verfügen.

Der faktische Rausschmiss der Schüler hat bei der Montessori-Schule offensichtlich zu einem erheblichen Aderlass geführt. Birgit Klein, ebenfalls Mitglied der kollegialen Schulleitung, erklärte vor dem Rauswurf des CZ-Redakteurs, dass man zum neuen Schuljahr 19 Grundschüler unterrichten würde, über die Anzahl der Realschüler schwieg sich die Schulleitung aus.

Ende Mai, als der Eklat an der Schule öffentlich wurde, hatte die Montessori-Schule selbst angegeben, dass insgesamt 75 Schüler in 10 Jahrgängen die Einrichtung besuchen würden. Der Großteil von diesen ging in die Grundschule. Die Schülerzahl allein im Grundschulbereich dürfte sich daher mehr als halbiert haben.

Autor: Gunther Meinrenken, geschrieben am: 09.10.2015       Artikel drucken