Neben dem Bannetzer Schlauchwehr soll die Forschungswasserkraftanlage gebaut werden Foto: Lothar H. Bluhm

Wasserrad soll bei Hornbostel Strom für 1000 Haushalte liefern

Nun also doch: Noch in diesem Monat sollen die Arbeiten zum Bau eines elf Meter großen Wasserrades am Allerwehr zwischen Bannetze und Hornbostel beginnen. Eine Infotafel und der Bauzaun deuten schon auf das Vorhaben hin, das künftig Strom für rund 1000 Haushalte produzieren wird.

HORNBOSTEL. Nun also doch: Noch in diesem Monat sollen die Arbeiten zum Bau eines elf Meter großen Wasserrades am Allerwehr zwischen Bannetze und Hornbostel beginnen. Eine Infotafel und der Bauzaun deuten schon auf das Vorhaben hin, das künftig Strom für 1000 Haushalte produzieren wird.

Eigentlich hatten viele Bürger die Hoffnung auf das weltweit einzigartige Projekt schon fast aufgegeben. Zu lange dauerte ihnen die Planungsphase, immer wieder wurde auf fehlendes Geld hingewiesen. Dabei sagte Christian Seidel bereits vor fünf Jahren: „Das Ding soll kommen.“ Der Arbeitsgruppenleiter Regenerative Energien des Instituts für Statik der TU Braunschweig war damals zuversichtlich, denn kurz vorher hielt er den Planfeststellungsbeschluss in seinen Händen. Aber erst jetzt, fünf Jahre später, ist es gelungen, die Finanzierung zu sichern.

Die lange Warteschleife raubte vielen Hornbostelern die Motivation, an das Wasserrad zu glauben: „Zum Schluss hatten wir keine Energie mehr“, bedauert Eva Ehry, die sich von Anfang an für das Projekt stark gemacht hat. Erst vor einem Monat habe sich der im August 2008 gebildete Verein Kraftwerk aufgelöst.

Der Bannetzer Heimatpfleger Harry Fricke sieht nur Vorteile, wenn die Anlage kommt: „Das ist eine Attraktion für die Fahrgastschifffahrt und für den Tourismus. Dadurch erhöhen sich die Chancen zum Erhalt des Schleusenhauses. Und Steuereinnahmen müsste das Wasserrad auch generieren“, sagt er. „Ich bin überzeugt, dass das Vorhaben gelingen wird, denn schon die alte Wasserradtechnik hat sich bewährt."

Für Bürgermeister Wolfgang Klußmann setzt sich mit dem Wasserrad Wietzer Geschichte fort: „Vor über 150 Jahren wurde an der Hunäus-Bohrung erstmalig Erdöl gefördert. Mit der neuen Forschungswasserkraftanlage ist Wietze nun abermals Standort einer zukunftsweisenden Energieerzeugung.“ Hier entstehe nicht nur eine neue Form der Energiegewinnung, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor und touristisches Highlight zugleich, ergänzt Wirtschaftsförderer Philip Daniel.

Die Errichtung der Forschungswasserkraftanlage durch die Salzgitter AG erfolgt jetzt in Kooperation mit der TU Braunschweig, sagt Diplomingenieur Seidel. „Die Investitionen in den Bau der Anlage und die Begleitforschung belaufen sich auf rund elf Millionen Euro.“ Das Forschungsvorhaben werde durch den Bund und das Land Niedersachsen gefördert. „Projektziel ist der Nachweis der technischen Machbarkeit einer weltweit einzigartigen Wasserkrafttechnologie zur Erschließung eines bisher technisch und wirtschaftlich nicht nutzbaren Wasserkraftpotenzials im Bereich der niederen Fallhöhen und großen Durchflussmengen“, beschreibt Seidel das Vorhaben. Mit der Fertigstellung sei 2017 zu rechnen.

Autor: Lothar H. Bluhm, geschrieben am: 23.10.2015       Artikel drucken