Peer Garben wird der letzte Heeresflieger-Kommandeur sein, unter dem Hubschrauber vom Typ Bo 105 geflogen sind. Foto: Benjamin Westhoff

Celler Hubschrauber im Sinkflug

Offiziell gibt es das Heeresfliegerausbildungszentrum C in Wietzenbruch bereits gar nicht mehr. Seine Reste heißen jetzt „Teileinheit 900“. Deren neuer Kommandeur Oberstleutnant Peer Garben ist mit deren Abwicklung und dem Aufbau neuer Strukturen beauftragt – eine Aufgabe, aus der Großes aufwachsen könnte.

WIETZENBRUCH. Superlative sind in Celle eher spärlich gesät. Oberstleutnant Peer Garben kennt einen. „Was kaum jemand ahnt, ist, dass wir hier in der Wietzenbrucher Immelmann-Kaserne der Bundeswehr-Flugplatz mit den meisten Flugbewegungen sind“, sagt der neue Kommandeur der „Teileinheit 900“ - kurz „TE 900“ . Rund 32.500 Starts und Landungen habe man im vergangenen Jahr in Celle verzeichnet, so Garben: „Nur in Mazar-i-Sharif in Afghanistan hatten wir 2014 mehr Flugbewegungen.“ Diesen Spitzenwert dürften die Heeresflieger kaum noch einmal erreichen, denn ihre Truppe befindet sich in Wietzenbruch auf einem absteigenden Ast: Die TE 900 wird aufgelöst.

Garben, der die Einheit ohne das bei der Bundeswehr übliche Zeremoniell von seinem Vorgänger, Oberstleutnant Hermann Grube, übernehmen musste, kennt sowohl Afghanistan als auch den Balkan aus eigenen Einsätzen und ist auch im Celler Land alles andere als ein Neuling. Der aus Pinneberg stammende Offizier, der mit seiner Frau und einem Sohn in Wolthausen lebt, hat 2011 und 2012 die Fliegende Abteilung 101 in Faßberg kommandiert – ein echter „Heideflieger“ also. Zuletzt war er als Dezernatsleiter Flugeinsatz in der Abteilung Flugbetrieb im Stab Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf für die Kooperation von Fliegern und Bodentruppen zuständig.

Das ist auch die Perspektive für den Standort Wietzenbruch, wo das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftgestützter Einsatz aufgebaut werden soll. Doch vorher muss Garben die TE 900 abwickeln. Derzeit besteht sie noch aus einem Stabszug, einer Flugbetriebsstaffel, einer fliegenden Abteilung sowie der Luftfahrzeugtechnik. Teile davon gehen ins Übungszentrum über. Spätestens Ende 2016 werde der Flugbetrieb mit den Hubschraubern vom Typ BO 105 eingestellt, so Garbe.

Bis dahin brauche die Bundeswehr noch diese kleinen alten Hubschrauber, um junge Piloten, für deren Ausbildung man noch keine modernen Hubschrauber vom Typ NH 90 oder „Tiger“ habe, zu trainieren, erläutert Garben. Derzeit befänden sich insgesamt noch 75 BO 105-Helikopter in Wietzenbruch, dem einzigen noch verbliebenen BO 105-Standort in Deutschland: „31 davon sind noch im Flugbetrieb eingesetzt, 45 sind bereits demilitarisiert und für die Weiterverwertung vorbereitet worden.“

Mit dem Abflug der Heeresflieger werde die Existenz der Immelmann-Kaserne derzeitigen Planungen entsprechend nicht in Frage gestellt, so Garben: „Der Standort bleibt als voll einsatzfähiger Flugplatz erhalten.“ Und nicht nur das: Hier sollten künftig Fallschirmjäger das Kommando übernehmen: „Am 1. Juli 2016 wird offiziell der Aufstellungsstab für das das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftgestützter Einsatz aufgestellt.“ Auch dann würden noch Luftfahrzeuge in Wietzenbruch landen und starten, um Personal und Material zu verfrachten – aber eben nicht dauerhaft dort stationiert sein. Erste Fallschirmjäger sind bereits jetzt in Wietzenbruch gelandet, wo auch die Soldaten des im Aufbau befindlichen Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillons 2 dafür sorgen, dass ein frischer Wind durch den ehemaligen Heeresflieger-Standort weht.

Ganz ohne nennenswerte Turbulenzen verlaufe die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen in der Wietzenbrucher Kaserne, berichtet Garben: „Dieser Bereich ist jetzt durch einen Zaun vom eigentlichen Kasernengelände abgetrennt und ganz unter der Regie des DRK.“ Das Flüchtlings-Camp habe einen eigenen Eingang für Passanten: „Nur Fahrzeuge, die in die Einrichtung müssen, kommen noch durchs Kasernentor.“

Autor: Michael Ende, geschrieben am: 26.11.2015       Artikel drucken