Wo die Natur wild wachsen darf

„Ein steriler Garten, der wie geschniegelt aussieht, ist doch langweilig.“ Bei Sabine Rückert sucht man vergebens nach getrimmten Rasenkanten und gestutzten Formhecken.

WOHLENRODE. In ihrem Garten darf alles üppig wachsen. Nein, nicht alles. Gegen Wildkräuter zwischen Akelei und Rosen, zwischen Spieren, Veilchen und Mohn geht auch die gebürtige Cellerin energisch vor. Und wenn Murkel, die Katze, einmal wieder versucht, junge Setzlinge aus dem Boden zu graben, hat die 70-Jährige ein kreatives Mittel dagegen: Sie setzt alte Vogelbauer über die zarten Pflänzchen.

Überhaupt ist der Garten von Sabine Rückert ein Hort an Ideen, dekorativen ebenso wie praktischen. Seit neuestem dient eine alte Blechgießkanne als Brunnen für den Naturteich. Der Ruheplatz am See bietet einen schönen Ausblick auf das große Haus, das Sabine Rückert zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen vor 38 Jahren bezog. Damals arbeitete sie als Leiterin des Kindergartens in Eldingen. Heute nutzt ihr Sohn (36) mit seiner Familie einen Teil des Hauses, wenn er aus Hamburg zu Besuch kommt.

„Peu à peu haben wir das Grundstück damals erschlossen, gerade wie Zeit und Geld vorhanden war“, erinnert sich das Geschwisterpaar. So wurde der Teich mit Bachlauf angelegt, der überdachte Sitzplatz entstand, ebenso wie ein Bootssteg, Brücke und ein Badehaus. Die Ideen, die Sabine Rückert für die Gestaltung ihres Gartens entwickelt, werden gern von ihrem Bruder umgesetzt. Er hat das Gewächshaus ebenso gezimmert wie das Katzenhäuschen für Murkel.

Zentrum des Gartens ist jedoch der Teich mit dem Bachzulauf, an dem Azaleen und Bergenien blühen, Funkien, Frauenmantel und Dreimasterblume wachsen hier. Im Bach steht Wasserschachtelhalm, für den man ebenfalls gute Nerven haben muss, um ihn in Zaum zu halten. Ungewöhnlich ist der selbst angelegte Hügel im Garten, von dem das Flüßchen hinabfließt. Von hier oben schaut man über das ganze Grundstück: An der Grenze zum Nachbarn befindet sich die Benjeshecke, in deren Totholz allerlei Getier wie Insekten, Vögel, aber auch schon mal eine Schlange leben. Die Frösche haben eher im Teich ihr Refugium.

Etwas weiter liegt der Gemüsegarten, der wie in Tortenstücken angelegt ist und neben Salat auch Bärlauch und Topinambur beherbergt. Zucchini und Wurzelpetersilie, Koriander und Majoran werden an anderer Stelle vorgezogen, und im selbstgebauten Gewächshaus sollen im Sommer Tomaten und Kartoffeln wachsen.

Ihre Kreativität lebt Sabine Rückert vielseitig aus. Seit Jahren malt sie; in ihrem Haus hängen Bilder in Aquarell, Öl und Pastell. Im Sommer findet bei schönem Wetter ein Specksteinkurs der Volkshochschule Celle in ihrem Garten statt. Die Mosaiken für die Gartentische hat die Ruheständlerin ebenfalls selbst entworfen und gesetzt. Zurzeit handarbeitet sie viel und hat gerade das Klöppeln wiederentdeckt. Für den Tag der „Offenen Pforte“ jedoch häkelt sie noch an Blüten, mit denen die Kuchentafel geschmückt sein wird.

Autor: Martina Hancke, geschrieben am: 18.05.2016       Artikel drucken