Kommt Maststall in Bockelskamp doch noch?

Am 30. Juni 2010 hat Christoph Lichthardt den Antrag zum Bau eines Hähnchenmaststalls für 84.000 Tiere bei Bockelskamp gestellt - nachdem der Landkreis Celle in der vergangenen Woche seine im Januar 2014 erteilte Baugenehmigung zurückgezogen hat, steht Landwirt Christoph Lichthardt jetzt mit leeren Händen da. Wie es weitergeht, weiß er noch nicht.

BOCKELSKAMP. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagte er am Montag. Nach wie vor halte er Hähnchenmast für interessant, sie passe optimal in seinen Betrieb. Doch im Genehmigungsverfahren müsse er fast wieder bei Null anfangen. Und ob er das seiner Familie zumuten möchte, habe er noch nicht entschieden.

Lichthardt ist mit dem Landkreis Celle im Gespräch. Der hatte vor einer Woche, zwei Tage vor der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg, die Genehmigung widerrufen, nachdem sich eine Niederlage abzeichnete. Die Genehmigungsbehörde hätte auch das Urteil abwarten und dann vor das Oberverwaltungsgericht ziehen können, allerdings mit ungewissem Ausgang.

Nach Angaben des Nabu Niedersachsen, der gegen die Genehmigung geklagt hatte, hatte der Landkreis bei einem Biotop, das durch durch die Emissionen des Hähnchenmaststalls hätte beeinträchtigt werden können, die Öffentlichkeit im Verfahren nicht beteiligt. „Fakt ist, es ist nicht alles ausgelegt worden, was hätte ausgelegt werden müssen“, hatte Kreisdezernent Gerald Höhl eingeräumt. Aus seiner Sicht ist das Gericht aber bei formellen Argumenten stehen geblieben. „Ins Materielle sind die gar nicht eingestiegen.“ Was nur heißen kann, dass der Landkreis Chancen für eine Heilung der Fehler und damit auch für eine gültige Baugenehmigung sieht.

Ob Lichthardt seinen Bauantrag aufrechterhält, will er in dieser Woche entscheiden. Bisher hat er rund 30.000 Euro investiert. „Ich habe viel Geld in die Hand genommen und habe einen ganzen Schrank voller Akten“, sagt der Landwirt. Er befürchtet, dass die inzwischen mehrere Jahre alten Gutachten nicht mehr verwendet werden können. Es sei einfach unsicher, wieder Geld auszugeben, ohne zu wissen, was es dafür gibt. Am Standort müsse er festhalten, einen anderen habe er nicht. Als Alternative sieht er noch die Möglichkeit, seine „angefangene Genehmigung“ an einen finanzstarken Investor zu verkaufen. Damit würde dann allerdings genau das Gegenteil dessen eintreten, was die Bürgerinitiativen anstrebten.

Die Bürgerinitiativen Wietze, Flotwedel und Lachendorf nehmen unterdessen für sich in Anspruch, die Klage des Nabu Niedersachsen initiiert zu haben, die zur Aufhebung der Baugenehmigung führte. Der Nabu hatte nicht nur die formellen Gründe vorgetragen, er hatte auch geltend gemacht, dass es durch den Betrieb der Anlage zu unzulässigen Auswirkungen auf gesetzlich geschützte Biotope und ein europäisches Naturschutzgebiet kommen würde.

„Die Bürgerinitiativen zeigen sich über den Ausgang des Verfahrens erfreut, denn diese Form der konventionellen Hähnchenmast hat mit artgerechter Haltung nichts zu tun. Darüber hinaus darf es nicht sein, dass dies dann auch noch gesetzlich geschützte Biotope gefährdet. Mit dieser Entscheidung bleiben Natur, Mensch und Umwelt zusätzliche schädliche Immissionen erspart“, schreibt Wolfgang Weuster, Mitglied des Sprecherkreises der Bürgerinitiative Flotwedel für einen respektvollen Umgang mit Nutztieren.

Autor: Joachim Gries, geschrieben am: 20.06.2016       Artikel drucken