"Di Chuzpenics" begeisterten im September bei ihrem Klezmer-Konzert in der Synagoge. Jiddische Lieder, Israel-Pop und Klezmer spielen dort die Musiker von "Shoshana" am Samstag, 25. März, um 19 Uhr. Foto: Michael Schäfer

Celler Synagoge: "Museum mit Leben füllen"

17 verschiedene Veranstaltungen in der Synagoge werden innerhalb der ersten sechs Monate im Jubiläumsjahr der Jüdischen Gemeinde angeboten. Am Sonntag, 18. Juni, feiert diese beim Sommerfest ihren 20. Geburtstag in der Synagoge, Im Kreise 24. "Die Synagoge ist nicht nur ein Museum. An diesem Tag soll es mit Leben gefüllt werden und die Vielfalt des Judentums zeigen", sagt Stadtarchivarin Sabine Maehnert, die auch die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist.

BLUMLAGE. Zwar reichen den Wurzeln jüdischen Lebens in Celle bis in das 17. Jahrhundert zurück, doch durch die Shoa fand die Gemeinde ein jähes Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Geschichte der DP-Gemeinde 1950 mit der Immigration des letzten Rabbiners in die USA. Erst am 15. April 1998 gründete sich die Jüdische Gemeinde neu, die ungefähr 60 Mitglieder hat. Der 20. Geburtstag soll mit einem bunten Programm gefeiert werden, so Maehnert. Der musikalische Höhepunkt sei noch eine Überraschung. Kantorin Aviv Weinberg werde mit ihrer "wunderschönen" Stimme durch den Mincha (Nachmittagsgebet) begleiten.

2016 kamen 6000 Besucher in die Synagoge, allein 2000 Gäste schauten sich zur Einstimmung auf das Reformationsjubiläum die Ausstellung "Luther und die Juden" an. Passend dazu gibt es am 27. April um 19 Uhr den Vortrag "Reformierte Reformatoren und ihr Verhältnis zum Judentum" von Achim Detmers, der das Wirken von Huldrych Zwingli, Heinrich Bullinger und Johannes Calvin beleuchtet.

Beim nun dritten Anlauf sollte es gelingen, den Psychologen Ahmad Mansour aus Berlin nach Celle zu holen. Denn bereits zweimal sagte der Islamexperte kurzfristig ab, da er ein beliebter Gast in Fernseh-Talkshows ist. Nun hält er am Montag, 20. Februar, um 19 Uhr das Referat über "Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen."

Heute wird bereits die erste der drei Ausstellungen eröffnet, die sich um den jüdischen Börsenmakler John Elsas dreht. Dieser zeichnete kleine bunte Bildgeschichten für seine Enkel. Die Ausstellung "Aus silbernen Wolken" zeigt bis zum 26. März 80 seiner Bilder. Vom 7. April bis 28. Mai werden unter dem Titel "Nach der Befreiung" Dokumente aus der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek ausgestellt. "Vilne, Wilna, Wilno, Vilnius" heißt die Ausstellung über jiddische Verleger und Übersetzer deutscher Autoren im Spiegel ihrer Bücher.

Im Kino achteinhalb, Hannoversche Straße 30e, wird am Mittwoch, 22. Februar, um 19 Uhr ein dokumentarisches Porträt des Rabbiners William Wolff gezeigt, "Ein Gentleman vor dem Herrn". Eine Woche zuvor referiert der Historiker Dirk Alt im Bomann-Museum über Filmdokumente der NS-Zeit in Niedersachsen. Am Mittwoch, 15. Februar, geht es um 18 Uhr los.

Auf vielfachen Wunsch gastiert das Vogler Quartett am Samstag, 18. März, um 17 Uhr im Großen Festsaal des Schlosses. Eine Woche später, am Samstag, 25. März, spielt das Ensemble "Shoshana" ab 19 Uhr Klezmer in der Synagoge. "Die verbrannten Dichter" Günter Hall und Konstantin Vassiliev treten am Donnerstag, 11. Mai, um 19 Uhr auf.

Autor: Dagny Rößler, geschrieben am: 12.01.2017       Artikel drucken