Hetendorf heute Thema beim Münchner NSU-Prozess

Am 347. Verhandlungstag im NSU-Verfahren gegen Beate Zschäpe und andere vor dem Oberlandesgericht München soll es am heutigen Mittwoch um Vorgänge im Celler Raum gehen, die 20 Jahre lang zurückliegen. Ein Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz des Freistaats Thüringen soll dem Gericht Erkenntnisse zu den "Hetendorfer Tagungswochen" auf dem Gelände des Hauses Hetendorf 13 in den Jahren in den Jahren 1979 bis 1997 darlegen.

CELLE. Die Cellesche Zeitung hatte am 8. Februar 2012 berichtet, dass Zschäpe im Juni 1997 an der 7. Hetendorfer Tagungswoche des Nazi-Anwalts Jürgen Rieger teilgenommen hatte. Vertreter der Nebenklage hatten daraufhin im September 2016 beim Oberlandesgericht München den Antrag gestellt, die Vorgänge in Hetendorf im Verfahren zu beleuchten. Am 10. Januar 2017 hatte ein Beamter der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt bestätigt, dass Zschäpe bei einer Zufahrtskontrolle am 21. Juni 1997 registriert worden war.

Zschäpe war seit Mitte der 1990er Jahre mit den späteren NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt befreundet. Nachdem Ende 1996/Anfang 1997 in Jena mehrere Briefbombenattrappen aufgetaucht waren, war das Trio, das zur Kameradschaft Jena zählte, in das Visier der Fahnder geraten. Auch wenn das Verfahren am 18. Juni 1997 eingestellt worden war, waren Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe damals zur beobachtenden Fahndung ausgeschrieben. Damit wurde bei Kontrollen festgehalten, wann sie wo mit wem angetroffen wurden. Sicher ist: Zschäpe war am 21. Juni 1997 in Hetendorf.

Autor: Joachim Gries, geschrieben am: 14.02.2017       Artikel drucken