Celler Kochstudio: "Leser soll auswählen können"

"Jeder Tag ist ein Abenteuer", sagt Friederike Pfingsten. Denn was so alles an einem Arbeitstag bei der Zeitung passiere, lasse sich nicht in feste Kategorien fassen, wie die Verlegerin der Celleschen Zeitung am Donnerstagabend beim Kochstudio im Malersaal berichtete. Zusammen mit Chefredakteur Ralf Leineweber sprach sie mit dem Intendanten und Autoren des Stückes „Die Zeitung“, Andreas Döring, sowie Dramaturgin Mona vom Dahl über die Zukunft der CZ und die Herausforderungen der Printmedien in Zeiten der Digitalisierung. Das Gericht des Abends kam dabei natürlich aus der Presse: Gemüsepuffer aus dem Waffeleisen.

CELLE. Zunächst stand das Persönliche im Vordergrund. Wer sind die Menschen, die Zeitung machen? Wer steht hinter den Geschichten? 200 Jahre CZ – Tradition, Verbundenheit oder Pflichtgefühl? Eine Frage, die sich unter den 50 Gästen nicht nur die Dramaturgin stellte. "Ich habe keinen Stempel bekommen", so Pfingsten. Vielmehr sei es eine klare "Leidenschaftsentscheidung" gewesen, das Unternehmen in der achten Generation weiterzuführen.

CZ – das ist vor allen Dingen: Celle. "Heimat und mein Zuhause", wie Pfingsten betont. Und genau da lägen der Reiz und die Stärke der Lokalzeitung. Chefredakteur Ralf Leineweber sieht das ähnlich: "Ich blicke deshalb auch gar nicht so pessimistisch in die Zukunft, wenn es um Lokalzeitungen geht", sagte er. Sie müssten allerdings ständig daran arbeiten, sich dem Bedürfnis der Nutzer nach Hintergründen und Orientierung anzupassen. Im Fokus stehe dabei noch immer der Printbereich, auch wenn Kanäle wie das Internet, soziale Medien wie Facebook oder auch die neue E-Paper-App zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die gedruckte Zeitung habe einen Nachteil, der gleichzeitig ein großer Vorteil sei, so Leineweber: "Im Vergleich zum Internet oder den elektronischen Medien werden wir in Sachen Aktualität immer hinterherhinken, andererseits haben wir ausreichend Gelegenheit, Nachrichten zu verifizieren, Hintergründe zu recherchieren, Themen einzuordnen und auch zu kommentieren." Das alles sei nicht möglich, wenn es – wie im Fall des Internets – nur darum gehe, Nachrichten möglichst als Erster zu verbreiten.

Während Mitglieder des Schlosstheater-Ensembles im Hintergrund zum Geräusch der Druckrotation Möhren und Zucchini raspelten, flammte eine Diskussion über personalisierte Nachrichten auf. In Anspielung auf das Theaterstück "Die Zeitung", das am 7. April aus Anlass des CZ-Jubiläums im Schlosstheater uraufgeführt wird, brachte Mona vom Dahl das Gespräch auf eine neue App, die Lesern ausschließlich einen auf ihre Bedürfnisse angepassten Nachrichtenstream anbietet. "Das ist auf keinen Fall das, was wir wollen", bekräftigt Pfingsten. "Im Gegenteil: Wir wollen keine Filterblase erschaffen, sondern dem Leser ein breites Angebot unterbreiten, aus dem er selbst auswählen kann."

Am Ende ging es in die Praxis: In einer Themenkonferenz sammelte der Chefredakteur Themen, die seinen 50 Neu-Redakteuren unter den Nägeln brennen. "Ein glücklicher Holländer" notierte Leineweber mit Bezug auf die Freude von Ensemblemitglied Philip Leenders über den Wahlausgang in seinem Heimatland. "Daraus können wir einen lokalen Splitter machen", sagte Pfingsten lachend. Als eben solchen hatte sich der Schauspieler bislang noch nicht gesehen.

Autor: Katharina Baumgartner, geschrieben am: 17.03.2017       Artikel drucken