Kind im Landkreis Celle angefahren: Verfahren gegen 500 Euro Auflage eingestellt

Eine Autofahrerin fährt einen Jungen an, steckt ihm eine Tafel Schokolade zu und verschwindet. Wegen so einer Unfallflucht von Oktober 2016 im Westkreis musste sich jetzt eine 55-Jährige am Celler Amtsgericht verantworten. Trotz Dementis der Ersttäterin Ursula H. und fehlender Unfallspuren an deren Pkw stand für das Gericht fest, dass sich der Sachverhalt im Wesentlichen wie oben geschildert zugetragen hat. Die Eltern des geschädigten 13-Jährigen hatten keinen Strafantrag gestellt, sondern nur das Kennzeichen bei der Polizei hinterlegt. Das Verfahren wurde gegen Auflage eingestellt

Der verletzte Schüler gab vor Gericht an, mit seiner älteren Schwester auf einem Fußweg Fahrrad gefahren und von der Stoßstange des langsam ausfahrenden Pkws leicht am Knie berührt worden zu sein. Dadurch sei er in die Grünanlage gefallen. Zwei Frauen seien aus dem Auto ausgestiegen, von denen eine stark nach Alkohol gerochen habe. Jene habe ihn ermahnt, dort nicht Rad zu fahren und ihm nach einem Blick aufs beschmutzte Hosenbein Süßigkeiten gegeben. Dann habe sie ihm gesagt, dass sie am Unfallort wohne und man sich melden könne. Ehe sie weggefahren sei, habe seine Schwester das Kennzeichen notiert, hieß es.

Für die Angeklagte hatte sich der Vorfall ganz anders abgespielt. Der Geschädigte sei vom bloßen Anblick ihres Autos umgefallen, hieß es. Da ihm nichts weh getan habe, sei sie nach kurzem Gespräch weggefahren.

"Bei derartigen Unfallfolgen ist es mit einer Tafel Schokolade nicht getan", sagte der Richter. Die Verletzung des Geschädigten hatte nämlich erst später zu Schmerzen und einer Schwellung geführt und sich beim Arztbesuch als Knieprellung herausgestellt. Der damals befahrene Fußweg soll an anderer Stelle mit Verweis auf einen gegenüber zu nutzenden Radweg gekennzeichnet sein. Die Angeklagte gab an, am Vorfallstag keinen Alkohol getrunken zu haben. Damit H. unbestraft bleibt, muss sie für die vorläufige Verfahrenseinstellung 500 Euro an die Landeskasse zahlen.

Autor: Anke Prause, geschrieben am: 04.04.2017       Artikel drucken