In Celle steht nur der Verkehr still

Celle blüht in seinen prächtigsten Farben. Orange leuchtet das bepflanzte 725-Jahre-Beet am Schlossberg, und die spitzen Türme der weißen Pavillons ragen in den strahlend blauen Celler Himmel. Die Stadt macht sich für das große NDR-Landpartie-Fest schick. Doch viele Bürger sehen nur noch rot-weiß, wie auch die Autofahrer, die in die Hehlentorstraße fahren wollen. Wer von der Mühlenstraße oder dem Nordwall in die Innenstadt abbiegen will, steht direkt vor einer Absperrung.

ALTSTADT. „Schausteller reinlassen.“ Die Ansagen, die Tamarin Reinsberg durch sein Walkie-Talkie bekommt, sind durch den Lärm der sich stauenden Autos am Neumarkt kaum hörbar. Kommt ein CeBus, trägt Reinsberg die Sperre weg, gleiches gilt für die Baufahrzeuge, Schausteller und Zulieferer der ansässigen Geschäfte. Seit Montag sind der Schloßplatz, die Hehlentor-, Schuh-, Kanzlei- und Brauhausstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt. "Diese Verkehrslenkung kam bisher so noch nie zum Einsatz", sagt Christina Jung vom Stadtmarketing der Verwaltung. Besonders die Verlegung der zentralen Bushaltestelle vom Schloßplatz an die Kanzleistraße sei eine Herausforderung gewesen. "Logistisch ist sie dort gut gelegen, doch sie birgt auch Gefahrenpunkte", fügt Jung hinzu.

Stefan Koschick, Geschäftsführer der CeBus, zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Bussituation. Über die Hehlentorstraße werden die Busse zur neuen Haltestelle geleitet und fahren über die Richard-Katzenstein-Straße aus dem Innenstadtbereich hinaus. Doch wenn die langen Gefährte links und rechts an der Kanzleistraße halten, wird es ziemlich eng für die hindurchfahrenden Busse. "Viele der Verkehrsteilnehmer fahren schneller als 30 Kilometer pro Stunde", sagt Koschick. Zudem sei gerade am Montagmorgen trotz der Sperrung viel Pkw-Verkehr durch die Straße gefahren.

Da die vorübergehende Haltestelle nicht barrierefrei ist, hilft Karl-Heinz Schliewe mit seinen Kollegen vor Ort. Er hebt Kinderwagen in den Bus, hat alle Abfahrtszeiten im Kopf und erklärt, wer auf welcher Busseite einsteigen muss. Seine Augen sind immer auf die Straße gerichtet. "Wenn die Leute in den Bus ein- oder aussteigen, stehen sie direkt auf der Fahrbahn", sagt Schliewe.

Die veränderte Verkehrssituation bekommt auch Hendrik Werner, der seinen Fahrradladen an der Kanzleistraße hat, zu spüren. "Jetzt können die Leute direkt vom Bus in unser Geschäft umsteigen“, scherzt Werner. Seine Ware bekomme er trotzdem. "Wir müssen einfach etwas improvisieren, freuen uns aber total auf die Landpartie", betont Werner.

Nicht ganz so glücklich sind die Marktbeschicker. "Der NDR will hier ein regionales Fest feiern, aber die regionalen Anbieter werden ausgegliedert", stellt Rüdiger Korte, der seinen Stand auf dem Wochenmarkt hat, fest. Die Celler Stände müssen auf den Brandplatz und die Schuhstraße ausweichen. Die räumliche Veränderung wirke sich negativ auf den Umsatz aus, fürchten die Beschicker. "Wir gehen auch auf den Markt, wenn er woanders ist", sagt Besucherin Monika Stullich.

Als wahre Landpartie-Fans reisen die Lübecker Gunda und Werner Richter bereits zum zehnten Mal dem Fest mit Heike Götz hinterher. "Celle ist die perfekte Landpartie-Stadt", schwärmt Gunda Richter. Das Ambiente, die Fachwerkhäuser – das Fest passe richtig gut in die Residenzstadt.

Autor: Katharina Baumgartner, geschrieben am: 17.05.2017       Artikel drucken