Anpacken fürs große Vergnügen auf dem Celler Schützenplatz

Der Schützenplatz gleicht einer riesigen Baustelle: Es wird gehämmert, geschraubt, gebastelt. Immer wieder sind laute Rufe zu hören: Hier fehlt noch ein Stromanschluss, da muss noch eine Glühbirne installiert werden. Und die Zeit rennt – Freitag um 15 Uhr muss alles tiptop aussehen.

Zwei, drei Tage vor Eröffnung des Celler Schützen- und Volksfestes herrscht reges Treiben auf dem Gelände an der Aller. Allerdings sind es nicht die Besucher, die den Platz bevölkern. Sie werden erst am Wochenende in Scharen kommen – so hoffen es zumindest die Veranstalter und Schausteller. Bis dahin ist noch viel zu tun. Seit Anfang der Woche rücken sie nach und nach an, um ihre Fahrgeschäfte und Imbissstände aufzubauen. Alles muss koordiniert und zu einer Art Puzzle zusammengefügt werden. Das hat seinen Grund: „Die Betreiber sollen sich die Besucher nicht gegenseitig wegschnappen“, erläutert Platzmeister Robert Brettschneider. Daher achtet er mit seinen Kollegen darauf, dass die Angebote gut über den Platz verteilt werden. „Das soll in diesem Jahr besser werden“, sagt er. Der 32-Jährige steht vor einem Übersichtsplan und erklärt den Platzaufbau. Die Farbe Rot markiert in dem Modellbau die Fahrgeschäfte: „Es soll nicht nur Fahrgeschäfte an einer Ecke geben.“ Das passende Angebot zusammenzustellen, das sowohl die jungen als auch die älteren Besucher des Schützenfestes anspricht, ist seine anspruchsvolle Aufgabe.

Das zu erfüllen, ist natürlich nicht innerhalb einer Woche möglich. Seit November laufen deshalb bereits die Vorbereitungen. Los ging es mit der Bewerbungsphase. „Daraus haben wir dann die passenden Schausteller ausgewählt, die vom Angebot her unseren Vorstellungen entsprechen“, erklärt Brettschneider. „In vielen Sitzungen haben wir uns überlegt: Was wollen wir haben? Was sollen die Highlights sein?“, ergänzt Wolfgang Brandt. Der 63-Jährige ist Mitglied im Platzausschuss und hat schon jahrelang Erfahrung. So unterstützen er und seine Kollegen Brettschneider, wo sie nur können.

Der Platzmeister ist froh, sich auf seine Schützenbrüder verlassen zu können. Denn das Amt übt er das erste Mal aus. „Es gibt immer wieder neue Fragen von Schaustellern. Zum Beispiel, wo die nächste Werkstatt oder der nächste Baumarkt ist“, sagt Brettschneider. Längst nicht alle sind schließlich ortskundig.

Die verschiedenen Autokennzeichen auf dem Schützenplatz verraten: Aus ganz Deutschland sind die insgesamt 72 Schausteller nach Celle gekommen. Immer wieder fährt ein Lastwagen über den Platz und muss etliche Male rangieren, bis er seine endgültige Parkposition erreicht hat. Doch nicht nur die Lkws sorgen für Bewegung auf dem Platz. An vielen Geschäften sind die Betreiber im Gange. Ein junger Mann steht mit nacktem Oberkörper vor einem Getränkestand und wischt sich den Schweiß von Brust und Schulter. Das Wetter meint es gut: Die Sonne scheint an diesem Nachmittag. So gehen die Arbeiten gut voran, die bei der Wärme allerdings auch ganz schön anstrengend sind.

Am Stand von Daniel Strzalkowski fallen die vielen Plüschtiere auf – es sind die Preise für das Dosenwerfen. Und die Fahrgeschäfte machen selbst tim Stillstand Lust auf viele Adrenalinkicks. Für neue Fahrerlebnisse sorgen in diesem Jahr der „Flash“ und die „Juke Box“. Im „Flash“ können sich zwölf Personen gleichzeitig um die eigene Achse drehen. 25 Meter hoch ist das Fahrgeschäft, es schafft 17 Umdrehungen pro Minute – allein die technischen Daten sind respekteinflößend. „Wer Action braucht, für den ist das hier genau das Richtige“, sagt Platzmeister Brettschneider. Alle, die nur zuschauen wollen, sollten sich trotzdem in Acht nehmen: „Danger, low-flying shoes“, steht groß auf einem Transparent. Im „Flash“ geht es also wirklich rasant zu und der eine oder andere Schuh könnte durch die Luft fliegen. Brettschneider ist stolz, das Loopingkarussell anbieten zu können. „Das ist echt der Hammer.“

Auch an Kinder ist gedacht worden. Patrick Dreger hebt die Planen hoch und gibt damit den Blick frei auf seinen „Schatz“. Das ist seine Lokomotive, mit der er das erste Mal in Celle ist. Wie seine Platznachbarn ist auch er in diesen Wochen ständig auf Tour in Deutschland – von einem Fest zum nächsten. Mit der Vorbereitung ist er schon gut vorangeschritten. „Ein paar Scheinwerfer muss ich noch anbringen und die Dekoration fehlt noch“, sagt Dreger, der aus der Nähe von Köthen in Sachsen-Anhalt an die Aller gekommen ist.

Heimspiel dagegen für Maik Thiliant: Zum Angebot des 37-jährigen Altencellers gehört auch in diesem Jahr das Trampolin – und natürlich der „Musik-Express“. Ein echter Klassiker für Besucher jeden Alters, der auf dem Celler Schützenplatz nicht fehlen darf. „Ich bin auf vielen Veranstaltungen in Süddeutschland, komme aber immer gerne in meine Heimatstadt zurück“, sagt Thiliant. Schon zum 14. Mal ist er Teil des großen Vergnügens an der Hafenstraße. Ist das Schützenfest vorbei, geht es für ihn gleich weiter nach Schwäbisch Hall. So geht es den meisten Schaustellern. Heute hier, morgen da.

„Auf die Tourenplanungen müssen wir Rücksicht nehmen“, sagt Brettschneider. Zusammengekommen ist dennoch wieder ein breites Angebot. Wenn das Ordnungsamt der Stadt alles überprüft hat, kann das Vergnügen beginnen. Vorab hat Wolfgang Brandt hat einen Wunsch: „Einmal über den Platz gehen, ein Getränk kaufen und eine Bratwurst essen – das sollte jeder machen.“

Autor: Carsten Richter, geschrieben am: 12.07.2017       Artikel drucken