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Wieder Schildbürgerstreich an Behindertentoilette in Celle

Als Rollstuhlfahrer in Celle braucht man gute Nerven: Hinweisschilder hängen zu hoch oder verweisen zu einer Behindertentoilette, deren Zugang nicht barrierefrei ist. Momentan ist das öffentliche WC am Schloßplatz gesperrt, doch die beschriebene Ersatztoilette können Gehbehinderte gar nicht nutzen.

ALTSTADT. Wer mit seinem Rollstuhl die nicht behindertengerechte Rampe zur öffentlichen Toilette am Schloßplatz herunterrollt, steht unverhofft vor verschlossenen Türen. Die komplette WC-Anlage ist seit Wochen "vorübergehend gesperrt" und eine Wiedereröffnung noch nicht in Sicht. "Es handelt sich um einen größeren Schaden", betont Stadtsprecherin Myriam Meißner. Dieses Mal gehe es nicht um Vandalismus.

Die nächstgelegene Ausweichmöglichkeit ist die 200 Meter entfernte öffentliche Toilette in der Neuen Straße 2. Doch dieses WC können Gehbehinderte gar nicht nutzen, da dort 15 Treppenstufen in die Tiefe den Weg versperren. Sie müssen die Öffnungszeiten des Schlosses kennen, um dort zur barrierefreien Toilette zu gelangen.

"In Celle muss sich bei der Barrierefreiheit noch einiges tun", meint Rollstuhlfahrer Tobias Bernsdorf. Für den 28-Jährigen, der an Multipler Sklerose erkrankt ist, ist die viel zu steile Rampe am Schloßplatz zwar kein echtes Problem. Dafür hätte er die WC-Anlage hier fast gar nicht entdeckt, weil die Hinweisschilder in der Altstadt viel zu hoch hängen. "Für uns Rollstuhlfahrer ist eine Beschilderung auf Augenhöhe wichtig", bestätigt auch Bernd Wagner. Bernsdorf bemängelt zudem, dass es in Celle zu wenige öffentliche Toiletten gibt – und diese seien meistens in einem schlechten Zustand: "Man sollte mehr auf Hygiene achten."

Bernd Skoda ist beim SoVD Experte für Barrierefreiheit. Er sagt: "Zur Belebung der Innenstadt gehört es auch dazu, genügend Behindertentoiletten zu haben, die auch nachts und an Feiertagen zugänglich sind." Denn in Celle braucht man bei den öffentlichen Toiletten einen Euro-WC-Schlüssel. "Den haben nicht alle, die vorübergehend im Rollstuhl sitzen", betont Skoda und erzählt: "Ich war neulich in Laatzen. Dort läuft es deutlich besser."

Autor: Christian Link und Dagny Siebke, geschrieben am: 02.10.2017       Artikel drucken