Lothar Franciscy und seine Frau vor seiner Schule in Stettin. Foto: Fremdfotos/eingesandt

Lothar Franciscy von Unteroffizier-Vereinigung Hambühren besucht alte Heimat Stettin

1957 wurden die ersten Soldaten der neuen Bundeswehr nach Hambühren versetzt. Das hatte zur Folge, dass außer den Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten auch Soldatenfamilien hier eine neue Heimat fanden. Viele der älteren Offiziere und Unteroffiziere waren „Flüchtlinge“.In diesem Jahr feiert die Unteroffizier-Vereinigung Hambühren ihr 60-jähriges Bestehen. Das Durchschnittsalter der Vereinigung beträgt circa 66 Jahre. Das bedeutet, dass viele Mitglieder schon in der Vorkriegszeit beziehungsweise im Krieg geboren wurden.

HAMBÜHREN. Einmal noch die alte Heimat sehen, das hatte sich Vereinsmitglied Lothar Franciscy (geboren 1935 in Stettin-Bredow) schon mehrere Jahre lang vorgenommen. Nun war es soweit. Als er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Anfang März 1945 mit einem letzten Truppentransporter Stettin vom Hauptbahnhof in Richtung Hamburg verlassen hatte, standen im Ortsteil Bredow nur noch ausgebrannte Ruinen. Doch ein bewohnbares Haus gab es noch. In der Bredowerstraße 14 in einem Hinterhaus wohnten seine Großeltern.

Nach dem Beziehen des Hotelzimmers ging es für ihn und seine Frau in den Hafen, der ganz in der Nähe war. Dort war das Ziel die Hakenterrasse, ein Prachtbauwerk aus der Vorkriegszeit, das den Krieg aber unbeschadet überstanden hatte. Es ist benannt nach dem langjährigen Oberbürgermeister Hermann Haken. Am nächsten Tag bei einer Stadtführung durch den Stadtteil Bredow entdeckte Franciscy die Bredowerstraße. Als Erstes stellte er fest, dass es die Kirche, in der er getauft wurde, nicht mehr gab. Dafür erkannte er ein großes Haus aus der Vorkriegszeit: Es war seine Schule, in der er im Herbst 1941 eingeschult wurde. Ein Jahr später wurde sie geschlossen und in ein Lazarett umgewandelt. Da er nichts weiter aus seiner Kindheit sah, fragte er die Stadtführerin nach der „Tonkuhle“. Dort hatte er als Kind immer gespielt. In der Tonkuhle wurde in der Vorkriegszeit Ton abgebaut und in einer Ziegelei verarbeitet. Durch den Abbau war in dem Gelände ein ziemlich großes Loch entstanden. Am Grund hatte sich Wasser angesammelt – ein idealer Abenteuerspielplatz für Kinder.

Die Tonkuhle war mittlerweile in einen kleinen Park umgewandelt worden. Aus der Wasserpfütze war ein kleiner See geworden. Aber Franciscy hatte seine „Tonkuhle“ gefunden. Erinnerungen an die Kindheit machten ihn richtig glücklich.

Autor: Lothar Franciscy, geschrieben am: 18.10.2017       Artikel drucken