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Schulbehörden-Chef im CZ-Gespräch: "Dann ist es keine IGS mehr"

Kaum ein anderes Thema erhitzt die Gemüter mehr als die Schulpolitik. Im Landkreis Celle wird vor allem über die Gesamtschule, Unterrichtsausfall und die Inklusion diskutiert. Am Montag besuchte Ulrich Dempwolf, Präsident der Niedersächsischen Landesschulbehörde, die Außenstelle in Celle. Gegenüber der CZ äußerte er sich zu den großen Baustellen in Sachen Schulen. Er sagte...

CELLE. Er sagte...

...über die Diskussion um eine Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule in Celle

Die Entscheidung, ob an der Integrierten Gesamtschule das Abitur gemacht werden könne, treffe alleine der Schulträger. „Wir achten nur darauf, dass die formalen Kriterien erfüllt sind“, sagte Dempwolf. Es sei nicht ungewöhnlich in Niedersachsen, dass Gesamtschulen ohne Oberstufen genehmigt würden. Wenn sich die Schülerzahl positiv entwickele und der politische Wille vorhanden sei, könne eine Oberstufe eingerichtet werden. Der Schulausschuss des Kreistages hatte sich vergangene Woche gegen eine Oberstufe an der Celler IGS ausgesprochen. Die Entscheidung fällt der Kreistag am 19. Dezember.

...über die Folgen, wenn die IGS ohne Oberstufe bliebe

An der IGS wird befürchtet, dass Kinder mit Gymnasial-Potential der Gesamtschule künftig fernbleiben könnten. Ob die Sorge berechtigt ist, bleibt abzuwarten. Die Konsequenzen wären wohl immens. „Wenn gymnasiale Kinder fehlen, dann ist es keine IGS mehr“, stellte Dempwolf klar.

...zur Frage, ob eine Gesamtschule laut Schulgesetz nur im Ausnahmefall ohne Oberstufe genehmigt wird

IGS-Eltern behaupten, dass das niedersächsische Schulgesetz aussage, dass eine IGS aus den Jahrgängen 5 bis 13 bestehe und nur in Ausnahmefällen auf die Jahrgänge 11 bis 13 verzichtet werden könne. Stimmt nicht, sagt der Präsident der Landesschulbehörde. Die Steuerung liege alleine beim Schulträger, also dem Landkreis Celle. „Das Land mischt sich nicht ein. Wir empfehlen auch nichts“, so Dempwolf.

...über den Unterrichtsausfall

Ulrich Dempwolf betont, dass der Pflichtunterricht – also der reguläre Unterricht nach Stundentafel – trotz aller Probleme stattgefunden habe. Dass Lehrer fehlten, habe Auswirkungen auf den „Zusatzbedarf“ gehabt, also Inklusion, Sprachförderung oder Berufsorientierung. Trotzdem könne er sich in Sachen Lehrerversorgung „andere Zahlen gut vorstellen“, sagte er. Soll wohl heißen: Es muss besser werden.

...über das „Lehrer-Roulette“
Es gab so wenige Lehrer, dass Personal von Gymnasien an Ober- und Grundschulen sowie von Ober- an Grundschulen verschoben wurde. Das sei nicht ungewöhnlich, in diesem Jahr aber verschärft gewesen, so der Behördenleiter. Es gehe auch um Solidarität, damit nicht Gymnasiasten gut und Grundschüler schlecht versorgt würden, sagte Dempwolf. „Wir stellen jedes Jahr zwischen 3500 und 4500 Lehrer ein. Ich gehe davon aus, dass wir zum nächsten Einstellungstermin eine entspanntere Situation haben.“

...zur Frage, warum so wenige junge Lehrer in den Landkreis Celle wollen

Viele Referendare wollen in attraktiven Städten wie Hannover, Oldenburg oder Lüneburg arbeiten. In andere Regionen wie Cuxhaven, Ostfriesland oder den Harz zieht es die angehenden Lehrer weniger. Auch Celle ist nicht angesagt, viele Referendare machen einen Bogen um Stadt und Kreis. „Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Celle ist liebens- und lebenswert“, sagte der Präsident der Landesschulbehörde.

Autor: Simon Ziegler, geschrieben am: 14.11.2017       Artikel drucken