Das „Atelier Glückskind“, das Merle Dehn (links) und Sarah Röhrbein in Celle eröffnet haben, ist ein Beispiel, wie Crowdfunding funktioniert. Foto: Kirsten Glatzer / David Borghoff

Mit "Heidecrowd" Projekte für die Region Celle vorantreiben

Heidecrowd!? Was ist das? Kein Schreibfehler, sondern ein neues Crowd­funding, speziell für unsere Region. Crowdfunding (aus dem Englischen „crowd“ für „(Menschen-)Menge“, und „funding“ für „Finanzierung“), auch als Schwarm- oder Gruppenfinanzierung bezeichnet, ist eine Möglichkeit, Projekte, Produkte oder die Umsetzung neuer Geschäftsideen voranzubringen.

CELLE.

Eine per Crowdfunding finanzierte Unternehmung und ihr Ablauf werden als „Aktion“ bezeichnet. Eine Aktion ist gekennzeichnet durch eine Mindestkapitalmenge, die durch die Masse fremd­finanziert sein muss, ehe sie startet. Dabei leistet jedes Mitglied der Masse (Crowd­funder) nur einen geringen finanziellen Anteil. Die Kommunikation zwischen Geldgeber und -nehmer erfolgt über eine Plattform im Internet. Ein weiteres Merkmal von Crowdfunding ist, dass die erzielten Gelder zweckgebunden an die jeweilige Aktion sind.

Für seine Leistung kann der Crowdfunder eine Gegenleistung erhalten (etwa Produkte, Sachleistungen, Rechte, Geld). Das Crowdfunding hat übrigens eine lange Historie. Bereits im 18. Jahrhundert wurde zum Beispiel der Sockel für die Errichtung der Freiheitsstatue durch 160.000 Einzelspenden ermöglicht.

Heidecrowd, eine Initiative der IHK Lüneburg-Wolfs­burg, Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank), Leuphana Universität Lüneburg, Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG) mbH, den Spar­kassen Lüneburg und Harburg-Buxtehude sowie der Volksbank Lüneburger Heide eG, ergänzt die Vorteile des Crowdfundings mit weiteren Finanzierungsbausteinen und ermöglicht so die Gesamtfinanzierung eines Projekts. Zusätzlich beraten und unterstützen die Initiatoren bei der Entwicklung und Finanzierung von Geschäftsideen.

Heidecrowd kombiniert Crowdfunding mit klassischen Finanzierungsinstrumenten: Gemeinsam mit einem Finanzierungspartner wird eine Finanzierungssumme festgelegt, die über zwei Bausteine erreicht werden soll. Im ersten Schritt sammelt das Unternehmen unter www.heidecrowd.de den sogenannten Crowdfunding-Anteil.

Ein willkommener Nebeneffekt hierbei ist, dass das Unternehmen über das Crowdfunding direkt erfährt, ob seine Idee erfolgversprechend ist. Denn nur wenn es Investoren überzeugt, werden diese Geld in das Projekt stecken. Ist dieses Zwischenziel erreicht, stellt der Finanzierungspartner im zweiten Schritt die fehlende Summe zum Beispiel über ein Darlehen bereit, sodass am Ende die Gesamtfinanzierung steht. Ergänzt wird das Angebot durch Beratungen, Sprechtage und Workshops.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt gibt es in Celle bereits. Am Südwall 5 eröffneten Sarah Röhrbein und Merle Dehn am 18. November ihr „Atelier Glückskind“, Celles erstes Familiencafé. Mit dem Crowdfunding wurde unter anderem die Ausstattung der Spielecke finanziert.

Autor: Kirsten Glatzer, geschrieben am: 04.12.2017       Artikel drucken