Bei Jan Tomczak wurden Stammzellen aus der Blutbahn entnommen, damit sein an Leukämie erkrankter genetischer Zwilling geheilt werden kann. Der 29-jährige Wathlinger wäre jederzeit wieder zu einer Spende bereit. Foto: Kim-Viktoria Hoyer

Wathlinger spendet Stammzellen an genetischen Zwilling

Die Familie des Patienten sei unglaublich dankbar. Als die Betreuerin der DKMS diesen Satz zu Jan Tomczak gesagt hat, bekam der 29-Jährige Gänsehaut. „Wenn man sich in die Situation reindenkt – das ist ein tolles Gefühl“, sagt der Wathlinger, der einem an Leukämie erkrankten Menschen mit einer Stammzellspende die Chance auf ein zweites Leben gegeben hat. „Ein Danke-Brief ist mir nicht wichtig, aber es wäre toll, irgendwann zu sehen, dass es dem anderen wieder gutgeht.“

WATHLINGEN. Wem er geholfen hat, weiß der Maschinenbautechniker nicht. „In etwa drei Monaten bekomme ich eine Info, ob der Patient überlebt hat“, erzählt Tomczak, der eine Übereinstimmung von 99 Prozent mit seinem genetischen Zwilling hat. „Ich bin weltweit der einzige Spender – das ist wie ein Lottogewinn.“

Tomczak, der in diesem Jahr den Extrem-Hindernislauf „Tough Mudder“ erfolgreich absolviert hat, hatte sich im November 2015 bei der Typisierungsaktion für Susanne Mecke in Nienhagen registrieren lassen. Für die lebensfrohe Frau wurde kein passender Spender gefunden, aber dank der Aktion, an der sich 870 Menschen beteiligten, hat ein anderer Mensch nun die Chance, geheilt zu werden.

Denn Tomczak sagte sofort „Ja“, als er im Oktober gefragt wurde, ob er noch für eine Stammzellspende bereit wäre. Kurz zuvor hatte er die Nachricht erhalten, dass seine Großmutter an Magenkrebs erkrankt ist. „Ihr kann man leider nicht mehr helfen“, sagt Tomczak traurig. „Wir sind aber dankbar, dass wir noch gemeinsam Weihnachten feiern konnten.“

Kurz vor den Festtagen gab er sein größtes Geschenk an seinen genetischen Zwilling. Gemeinsam mit seiner Freundin Kim-Viktoria Hoyer reiste er ins Rheinland, um sich in einem der Dialyse ähnlichen Verfahren Blut entnehmen zu lassen. „Die Krankenschwester war leicht überfordert, weil sie in meinem rechten Arm gleich vier Adern zur Auswahl hatte“, erzählt der Kraftsportler lachend. Aufgeregt sei an dem Tag vor allem seine Freundin gewesen. „Ich war voller Vorfreude, etwas Gutes zu tun“, sagt der 29-Jährige.

Insgesamt vier Stunden lang war Tomczak an dem Gerät angeschlossen. „Da es dem Patienten schlecht ging, habe ich auch Blutplasma gespendet“, berichtet der Wathlinger. Seine Füße hätten während der Blutentnahme gekribbelt. „Das kommt durch den Calcium-Mangel, aber dagegen habe ich eine Infusion bekommen“, sagt Tomczak, der das Krankenhaus anschließend wieder verlassen konnte.

Etwa vier Tage musste er anschließend mit den Nebenwirkungen kämpfen. „Ich habe mich schlapp gefühlt, so als ob man eine dicke Erkältung bekommt, und ich hatte Rückenschmerzen, weshalb ich Schmerztabletten genommen habe“, erzählt Tomczak, der sich vor der Blutentnahme fünf Tage lang je zwei Spritzen geben musste. „Ich hätte mir das Medikament, das die Stammzellen aus dem Knochenmark herauszieht, auch vom Hausarzt oder einem Pflegedienst spritzen lassen können, aber ich habe es selbst gemacht – die erste Spritze hat viel Überwindung gekostet“, sagt Tomczak. „Aber es ist alles auszuhalten und man weiß, wofür man es macht.“

Autor: Christopher Menge, geschrieben am: 29.12.2017       Artikel drucken