So kennen die Celler Tom Velten, wenn er aufdem Klapphocker neben dem Erwachsenendreirad sitzt. Foto: Eileen Hörmann

Celler Asphaltverkäufer schreibt Buch über „Bankgeflüster“

Vor einem Großmarkt zu stehen und Straßenzeitungen zu verkaufen, ist ziemlich langweilig. So beschreibt jedenfalls Tom Velten seinen Alltag. Doch der Asphaltverkäufer weiß die Zeit zu nutzen, die Eindrücke um ihn herum aufzusaugen und zu Papier zu bringen. Der 54-Jährige sinniert über den Kaufrausch der Leute; Wagenschieber, die Entwicklung des Euro oder etwa über den Glauben an Gott.

CELLE. Schon vor 17 Jahren hatte Tom Velten die Idee, ein Buch über seine Erlebnisse herauszubringen. Vor Kurzem war es so weit. Tom Velten veröffentlichte zunächst ohne Verlag das E-Book „Bankgeflüster 1: Realitäten nahe gebracht“. Die äußerst positive Rezension einer Leserin bestärkte ihn nun, ab Mitte Januar auch ein Taschenbuch zu ver­öffentlichen. In der Bewertung heißt es: „Dieses E-Book von Tom Velten ist ein Fassadenreißer! Es reißt Fassaden ein und öffnet einen ganz neuen Blick auf ein Deutschland hinter dem Deutschland, das wir so gut zu kennen glauben: aus den Medien, im Konsum und bei unseren eigenen kleinen Selbsttäuschungen.“

Insgesamt plant Tom Velten fünf Teile Bankgeflüster. Im ersten Buch verarbeitet er auch dramatische Erlebnisse. Denn als obdachloser Durchreisender der ehemaligen DDR musste er unfreiwillig von einem deutschen Sozialamt zum anderen trampen, um sich einen Tagessatz von etwa 18 DM abzuholen. Auf der Suche nach einer neuen Heimat hatte der gebürtige Halberstädter Angst und dachte ständig daran, sich das Leben zu nehmen. Seine Familie ist zerbrochen und echte Freunde fanden sich kaum in der neuen, für ihn unbekannten, wiedervereinten deutschen kapitalistischen Welt.

Autor: Dagny Siebke, geschrieben am: 02.01.2018       Artikel drucken