Die Verbraucherzentralen in Deutschland warnen vor Lockangeboten unseriöserSchlüsseldienste. Foto: Holger Hollemann

Celler von Schlüsseldienst abgezockt / Experten raten zu örtlichen Anbietern

Wenn sie die Rechnung in die Hand nimmt, schüttelt sie ungläubig den Kopf. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich den Betrag gesehen habe“, sagt Daniela Schütt, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die 21 Jahre alte Frau und ihr 24 Jahre alter Freund hatten sich am Freitagabend aus ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Heese in Celle ausgesperrt – und mussten dem gerufenen Schlüsseldienst 859 Euro zahlen. Verbraucherzentralen warnen schon länger vor Lockangeboten unseriöser Schlüsseldienste.

CELLE. Weil sie keinen örtlichen Schlüsseldienst erreichten, beauftragten sie ein auswärtiges Unternehmen, das die Vorwahl 0800 hatte und im Internet mit günstigen Preisen warb. „Für die Anfahrt sollten 20 Euro berechnet werden. Einen genauen Preis haben sie uns am Telefon aber nicht genannt. Das sollte vor Ort geklärt werden“, sagt Schütt. Nach einer Stunde waren die beiden Handwerker da. „Sie machten einen freundlichen Eindruck. Als ich den Auftrag unterschrieben habe, arbeiteten sie weiter.“ Einen genauen Preis haben die Männer auch zu diesem Zeitpunkt nicht genannt. „Das kam mir komisch vor. Aber in der schwierigen Situation wusste ich nicht, was ich machen sollte.“ Erst nach dem angeblich notwendigen Ausbau des Türschlosses und dem Einbau eines neuen Schließzylinders nannten sie die Kosten. Trotz großer Bedenken bezahlten die Bewohner den Betrag – und informierten am Samstag die Polizei. Die ermittelt nun wegen des Verdachts der Wucherei.

Verbraucherzentralen warnen schon länger vor Lockangeboten unseriöser Schlüsseldienste. „Das Öffnen einer Tür kann nicht nur neun Euro kosten“, heißt es. Mit vorher verschwiegenen Zusatzbeträgen kämen am Ende weitaus höhere Beträge heraus. Auch in einer Notlage sollten Betroffene die Preise der Anbieter vergleichen und auf die Zuschläge achten. „Es sollten jedenfalls nicht 800 Euro sein.“

Wer einen Notdienst beauftragt, sollte bereits beim Anruf nicht nur nach dem genauen Preis fragen. „Man sollte nach einem Anbieter aus der Region suchen“, rät Celles Polizeisprecher Thorsten Wallheinke. Wer einen Anbieter unter der eigenen örtlichen Vorwahl erreicht, muss auch nur die Fahrtkosten innerhalb der Ortsgrenzen zahlen, erläutert die Verbraucherzentrale. Auch bei der Internetsuche sollte man auf lokale Unternehmen achten. „Sie finden sich häufig eher im unteren Teil der Trefferliste. Denn teils kauften sich Unternehmen einen Anzeigenplatz und erscheinen bei der Suche daher weit oben.“ Nach unten zu scrollen, kann sich also lohnen.

Begegnet man vor Ort dem Mitarbeiter des Notdienstes, sollte man ein vorgefertigtes Auftragsformular nicht einfach so unterschreiben, sondern streicht nicht vereinbarte oder gewünschte Passagen, erklären die Verbraucherschützer. Es sollte zum Beispiel bei einem Schlüsseldienst festgelegt werden, dass nur die verschlossene Tür geöffnet wird, aber der Handwerker kein Schloss austauschen soll. Das sei nach Ansicht der Experten in den meisten Fällen nicht nötig. „Wenn der Rechnungsbetrag zu hoch ist oder der Handwerker den Kunden unter Druck setzt, sollte man sich nicht zur sofortigen Zahlung nötigen lassen“, sagt Polizeisprecher Wallheinke. „Notfalls rufen Sie die Polizei.“

Gebühren für die Bearbeitung oder Buchung, wenn der Verbraucher nicht die Rechnung sofort in bar bezahlt, sind laut einem Gerichtsurteil unzulässig. Gleiches gilt für Zuschläge innerhalb der üblichen Arbeitszeiten oder Forderungen wie Sofortzuschlägen und Kosten für Spezialwerkzeug. „Wer nicht genügend Bargeld zur Verfügung hat, kann auch auf eine Zahlung per Rechnung bestehen“, raten die Verbraucherschützer. „Fahren Sie nicht mit dem Monteur zum nächsten Geldautomaten.“

Ulrich Tangermann kennt das Problem. „Kunden berichten immer wieder davon, dass sie zu viel bezahlt haben und Schlösser von schlechter Qualität eingebaut wurden“, berichtet der Inhaber des Schlüsseldienstes Ottens aus Celle. „Man sollte immer darauf achten, dass die Anbieter auch Haftung für ihre Arbeit übernehmen.“ Im Ernstfall mahnt er zur Ruhe. „In dieser Notlage sollte man zunächst bei Freunden und Bekannten fragen. Da gibt es meist jemanden, der einen Handwerker kennt, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat.“ Eine normale Fallenöffnung kostet bei ihm 70 Euro. „Notfalls ist eine Nacht im Hotel günstiger, als auf einen unseriösen Anbieter einzugehen.“

Schütt hat aus der Sache gelernt. „Ich kann jedem nur empfehlen, nach einem Dienst vor Ort zu suchen und am Telefon einen Preis zu vereinbaren. Und sich sonst einen anderen Anbieter zu suchen.“

Autor: Christoph Zimmer, geschrieben am: 09.01.2018       Artikel drucken