Eine Ära geht zuende: 34 Jahre lang hat Margrit Surburg die Geschicke der Weinhandlung Bornhöft an der Zöllnerstraße gelenkt.Ihr Lebenspartner Hermann Marquardt stand ihr dabei in den vergangenen Jahren zur Seite. Foto: David Borghoff

Traditionsreiche Celler Weinhandlung Bornhöft schließt - vorerst

Die Zukunft vorhersehen? Das kann auch Margrit Surburg nicht. Doch eines steht fest: Für die langjährige Inhaberin der traditionsreichen Weinhandlung Bornhöft an der Zöllnerstraße wird der 31. Januar kein Tag sein wie jeder andere. Seit 1984 – und damit 34 Jahre – war Surburg beinahe täglich im Geschäft tätig. Die Weinhandlung ist ihr Lebenswerk. Doch Ende des Monats ist Schluss. Surburg hört auf.

ALTSTADT. „Unser Entschluss steht bereits seit vergangenem Sommer fest“, erklärt die 65-Jährige, die ihre nach reiflicher Überlegung gefassten Pläne zunächst nur ihren Stammkunden verraten hat. Die Entscheidung fiel Surburg nach all den Jahren nicht leicht. „Da ist schon so manche Träne geflossen“, sagt sie. „Ich war von morgens bis abends tätig. Zusätzlich habe ich mich noch um die Einkäufe gekümmert.“

Trotz großer Wehmut ist sie überzeugt, dass die Aufgabe des Geschäfts richtig ist. Der Verlust zweier Mitarbeiter im vergangenen Jahr hatte zu einem personellen Engpass geführt. Notgedrungen führte sie mit ihrem Lebensgefährten Hermann Marquardt das Geschäft seitdem allein. Doch jünger werden beide nicht – und eine direkte Nachfolge fehlt. Hinzu kamen neue Anforderungen ans Kassensystem und die Konkurrenz durch das Internet. Den Onlinehandel hat Surburg trotzdem immer umgangen.

Geschadet hat es ihr nicht. Der persönliche Kontakt zu den Kunden stand für sie immer an erster Stelle. Die kompetente und direkte Beratung war stets die Visitenkarte Bornhöfts – so etwas kann der Internethandel nicht bieten. „Zu vielen Kunden sind über die Jahre Freundschaften entstanden“, erklärt Surburg.

Was Bornhöft aber auch auszeichnet, ist der unverwechselbare Charme des Ladengeschäfts. Es ist ein kleines Museum. Auf dem alten hölzernen Schreibpult im Verkaufsraum liegt noch immer eines der Geschäftsbücher Richard Bornhöfts. Im Jahr 1889 hatte er die Weinhandlung, die insgesamt seit 1828 besteht, erworben und ihr nicht nur ihren Namen gegeben, sondern sie durch gute und schlechte Zeiten geführt. Über drei Generationen blieb das Geschäft im Besitz der Familie. Ein Porträt an der Wand zeigt bis heute den früheren Inhaber.

So wenig wie möglich verändern – das war die Devise der Inhaber. Surburg hofft, dass von der Gemütlichkeit und Wärme nichts verloren geht. Denn die gute Nachricht: Wein wird in der Zöllnerstraße 29 auch künftig verkauft. „Aber natürlich überlassen wir es unseren Nachfolgern, ob sie räumlich etwas verändern.“ Wer das wird, stehe noch nicht fest, sagt Surburg. „Aber wir rechnen damit, dass eine junge Generation im Frühsommer das Geschäft wieder öffnen wird.“

Nach dem Abschied bricht für die langjährige Inhaberin eine neue Lebensphase an. Das, was in den vergangenen Jahren zu kurz kam, wollen Surburg und Marquardt nun nachholen. „Wir planen Städtereisen rund um die Ostsee. Bisher haben wir unseren Urlaub ja immer in Weingebieten verbracht.“ Ihren Nachfolgern stehen sie für Fragen gerne zur Verfügung, verspricht die Inhaberin. Und sicherlich werden sie auch die eine oder andere Flasche Wein kaufen. Ein guter Tropfen natürlich. Surburg weiß schließlich, was schmeckt.

Autor: Carsten Richter, geschrieben am: 11.01.2018       Artikel drucken