Wollen das geplante Baugebiet an der Wiesenstraße nicht hinnehmen (von links): Henning Homann, Uwe-Jens Machlitt, Hans Buchbinder und Holger Fischer-Weise. Foto: Oliver Knoblich

Lachendorfer fordern Bürgerforum zu Bauplänen

Der Ort Lachendorf wächst unaufhörlich. Von dem im vergangenen Jahr erschlossenen Neubaugebiet am Immanuel-Kant-Gymnasium sind bereits fast alle 80 Grundstücke verkauft. Ein Ende der großen Nachfrage nach Bauland ist noch lange nicht in Sicht. Als neues Baugebiet ist ein Teil des Waldes zwischen Wiesenstraße und dem Neubaugebiet „Am Südhang“ im Gespräch. Das trifft bei einigen Bürgern einen besonderen Nerv.

LACHENDORF. Das etwa 24 Hektar große Waldstück mit Wanderwegen ist für viele Lachendorfer ein Ort der Erholung. "Neben Anwohnern gehen dort vor allem Schüler, Kindergartenkinder und Bewohner des Altersheims spazieren", erzählt der Lachendorfer Hans Buchbinder. Hinzu kommt, dass es zumindest im Ostbereich der Gemeinde das einzige Stück Wald sei, das als Naherholungsgebiet genutzt werden kann. "Wenn dort nun ein Baugebiet entsteht, müssen wir für den Waldspaziergang an die Sprache fahren. Das ist eine Strecke von etwa zwei Kilometern und nicht zumutbar", macht Henning Homann seinem Ärger Luft.

Homann hat in der Vergangenheit bereits zusammen mit Buchbinder sowie den Lachendorfern Uwe-Jens Machlitt und Holger Fischer-Weiser dreimal versucht ein Bürgerbegehren zu dem Baugebiet zu initiieren. Ohne Erfolg. Doch aufgeben kam für die vier nicht in Betracht. "Es gibt alternative Waldstücke, die für ein Baugebiet in Frage kommen", so Homann. Eine Möglichkeit sei der Wirtschaftswald direkt neben dem Baugebiet am Immanuel-Kant-Gymnasium. Allerdings gehört betreffendes Gebiet bereits zu Ahnsbeck. Zwar könnten die beiden Orte grundsätzlich zwei Gebiete miteinander tauschen – wenn Ahnsbeck einer Ausgliederung zustimmt –, allerdings sei das sehr kompliziert, so Samtgemeindebürgermeister Jörg Warncke. "Eine Fläche, die als Baugebiet in Frage kommt, ist immer hochwertiger. Lachendorf hätte im Tausch nur Feuchtwiesen und Ackerflächen anzubieten", so Warncke weiter. Ein Tausch sei daher nicht gerecht und zudem nicht realistisch.

Auch auf das Argument der vier Männer, dass Lachendorf das Bauen aussetzen und sich stattdessen um die Infrastruktur kümmern solle, hat Warncke etwas entgegen zu setzen. Bereits Mitte der 90er habe man "so einen Lauf" unterbrochen und keine weiteren Baugebiete angeboten. "Die Folge waren sofort sinkende Einwohnerzahlen, die zwar mit weniger Auslastung der Infrastruktur, aber dafür auch mit einem sinkenden Angebot einhergingen", sagt der Samtgemeindebürgermeister und hat dabei den Einzelhandel im Blick.

Der Versuch, eine Diskussionsrunde auf die Beine zu stellen, schlug bisher fehl. Den Antrag der vier Lachendorfer, den Gemeindesaal für ein "freies Bürgerforum zur Meinungsfindung" zu mieten, bügelte die Verwaltung ab. Als Grund habe man sich hinter formalen juristischen Sachen zurückgezogen, kritisiert Homann. "Wir fühlten uns in unserem Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten", so Machlitt. Nun wird der Bürgeraustausch im Frühjahr in einem von der Kirche Arche Noah gestellten Raum stattfinden. "Wenn dort die Mehrheit das Baugebiet befürwortet, ist für uns ein weiteres Bürgerbegehren ganz klar gelaufen", sagt Fischer-Weiser. "Das ist schließlich Demokratie", ergänzt Machlitt. (als)

Autor: Audrey-Lynn Struck, geschrieben am: 23.01.2018       Artikel drucken