Kamikazeeinkauf

Es ist ein festes Ritual: der Wochenendeinkauf. Was sich schon so allein am Warenband, quasi dem Zieleinlauf vor der Kasse, abspielt, ist Krimi, Komödie und Tragödie zugleich. Mit einer 100-prozentigen Trefferquote reihe ich mich immer in die längste Schlange ein. So habe ich genug Zeit, das große Finale meiner Miteinkäufer direkt zu verfolgen.

Sei es die Bon-Rolle, die zu Ende geht, der Kartenleser, der abstürzt oder die „Ich hab's passend“-Menschen, die ihren Einkauf mit Ein-Cent-Münzen bestreiten – letztere landen auch gerne allesamt auf dem Boden. Auch spannend wird es, wenn die Artischocke für Brokkoli gehalten wird. Denn wenn es zum „Storno an Kasse drei“ kommt, lernt man gleich mal die gesamte Filialbelegschaft mitsamt unterschiedlicher Schlüsselbefugnisse kennen. Und weil's so schön in der Schlange ist, kommt natürlich niemand auf die Idee, jemanden vorzulassen – nur ein Teil in der Hand – das reicht nicht als Begründung aus. Zur gleichen Zeit formiert sich meist schon auf Höhe der Kühltheke ein Tumult. „Neue Kasse aufmachen!“, rufen die Widerstandskämpfer und drohen mit der gefrorenen Putenbrust. Fasziniert von diesen kleinen Sozialdramen spüre ich schlagartig die Realität: Ein Mann und sein Einkaufswagen – beides außer Kontrolle – und Schmerzen in meiner Ferse.

Autor: Katharina Baumgartner, geschrieben am: 05.02.2018       Artikel drucken